Jeder Zweite über 50 leidet an symptomatischen Hämorrhoiden. Viele schrecken jedoch davor zurück, über ihre Probleme im Analbereich zu sprechen, und nehmen deshalb selten medizinische Hilfe in Anspruch. Schamgefühle sind jedoch unbegründet — vor allem dann, wenn man sich in die erfahrenen Hände eines Facharztes begibt, der sich durch Sachverstand und Einfühlsamkeit auszeichnet.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Krankhafte Hämorrhoiden entstehen, wenn sich das Blut im Gefäßgeflecht staut, das den Schließmuskel des Enddarms in seiner Funktion unterstützt, sodass dieses sich überdehnt und erweitert. Dann bilden sich Knoten, die durch die Darmschleimhaut hindurch treten und in die Darmlichtung aussacken. Dieser Prozess wird vor allem durch verstärkten Druck im Bauchraum (etwa häufiges Pressen bei Verstopfung), durch breiige Stühle als Folge von Abführmitteln, aber auch durch häufiges Sitzen, Übergewicht oder eine Schwangerschaft verursacht. Oft besteht eine erbliche Veranlagung und/oder eine angeborene Bindegewebsschwäche.
Typische Symptome
Vergrößerte Hämorrhoiden, die an ihrem Ursprungsort verbleiben (Stadium 1), verursachen meist keine Schmerzen; bisweilen kommt es zu Afterjucken und hellroten Blutauflagerungen auf dem Stuhl bzw. auf dem Toilettenpapier. Stärkere Schmerzen treten auf, wenn größere Knoten durch Pressen bei der Stuhlentleerung vorfallen. Schieben sich die Knoten danach von selbst zurück, spricht man von Stadium 2. Lässt sich der Vorfall nur noch manuell beheben, liegt Stadium 3 vor. Im vierten Stadium sind die Hämorrhoidalknoten permanent vorgefallen und zudem eingeklemmt; ein äußerst schmerzhafter Zustand, der sich nun auch manuell nicht mehr beheben lässt. Vorgefallene Hämorrhoiden stören den Feinverschluss des Afters: Die nach außen gelangende Feuchtigkeit ruft Juckreiz, Nässen und Brennen, Entzündungen und Hautausschlag um den After hervor. Weitere Begleiterscheinungen sind Druck- bzw. Fremdgefühl im Afterkanal sowie verschmutzte Unterwäsche durch Nachschmieren.
Sind Hämorrhoiden erst einmal mit Beschwerden verbunden, bilden sie sich nicht mehr von selbst zurück. Häufig nehmen Betroffene allerdings lieber eine Einbuße ihrer Lebensqualität in Kauf, als sich medizinisch helfen zu lassen: Es wird als peinlich empfunden, über die Beschwerden zu sprechen; hinzu kommt die Angst vor Schmerzen. Wer jedoch frühzeitig einen Arzt aufsucht, hat gute Chancen, dass sein Leiden schonend und erfolgreich behandelt wird.
Das Interview zum Thema
TOPFIT sprach mit den Viszeralchirurgen Dr. med. Jörg Buhr und Dr. med. Sebastian Fischer. Gemeinsam mit dem Phlebologen Dr. med. Thomas Schrott und der Gefäßchirurgin Nora Rämisch praktizieren sie in der Praxisklinik München-Pasing. Neben der Diagnose und Behandlung von Enddarmerkrankungen wie Hämorrhoiden, Fisteln, Fissuren und Stuhlinkontinenz gehören u. a. auch die Venen- und Hernienchirurgie zum Leistungsspektrum. Im Zentrum für Koloproktologie führen Dr. Buhr und Dr. Fischer sowohl ambulante Operationen als auch Dickdarm- und Enddarmspiegelungen (zertifiziert auch im Rahmen der Krebsfrüherkennung) durch. Nähere Infos unter www.praxisklinikmuenchen.de
Herr Dr. Buhr, wie werden Hämorrhoiden behandelt?
Dr. Buhr: In einem sehr frühen Stadium kann manchmal noch der Einsatz von Salben helfen. Erfolgversprechender ist es jedoch oft, die Hämorrhoidalknoten entweder nahezu schmerzfrei zu veröden oder sie mithilfe eines Gummibands (Gummibandligatur) abzubinden. Beide Methoden sind kaum belastend und zeichnen sich durch eine hohe Erfolgsquote aus. Wenn Hämorrhoiden dauerhaft hervorgetreten sind, ist eine operative Entfernung meist unvermeidlich. Neben den klassischen offenen Methoden steht uns mit der minimal-invasiven, ultraschallgesteuerten Hämorrhoiden-Arterien- Ligatur, kurz HAL-Methode, eine innovative Operationstechnik zur Verfügung, die eine schonende und risikoarme Alternative zur herkömmlichen Hämorrhoidenentfernung ist.
Herr Dr. Fischer, was ist das Besondere an dieser Operationstechnik?
Dr. Fischer: Die HAL-Methode ist kaum schmerzhaft, und die Genesungsphase ist deutlich kürzer, sodass man schon bald wieder seiner beruflichen Tätigkeit nachgehen kann. Auch sind weder eine Vernarbung noch eine Gewebeschädigung zu befürchten. Wichtigster Vorteil ist nämlich, dass das überschüssige Hämorrhoidalgewebe nicht mehr entfernt, sondern stillgelegt wird. Hierfür wird die Arterie, die die Hämorrhoide mit Blut versorgt, mit einem selbstauflösenden Faden abgebunden (ligiert). Auf diese Wiese wird der Blutfluss zu den Hämorrhoiden gestoppt und der Hämorrhoidenknoten beginnt zu schrumpfen — die Beschwerden lassen nach. Nach wenigen Wochen hat er sich vollständig von selbst zurückgebildet. Bei stark ausgeprägten Hämorrhoiden kann es notwendig sein, die vorgefallenen Schleimhautbezirke zusätzlich zu raffen — diesen Vorgang nennt man Recto-Anal-Repair (RAR).
Das Ganze geschieht unter Ultraschallkontrolle?
Dr. Fischer: Ja. Beim HAL-Verfahren wird zunächst über den Enddarm ein dünnes Endoskop eingeführt. Als Nächstes werden die erweiterten Arterien der Hämorrhoiden mithilfe eines speziellen Ultraschall-Detektors lokalisiert. Dann erfolgt — unter Ultraschallkontrolle — die Ligatur des Gefäßes. Der Eingriff wird in unserer Praxis ambulant, meist unter Dämmerschlaf- Anästhesie durchgeführt; der Patient kann also noch am gleichen Tag wieder nach Hause gehen.
Nun haben viele Betroffene ja nicht nur Angst vor der Behandlung, sondern auch vor der Untersuchung…
Dr. Buhr:
Ja, leider gehört die Erkrankung immer noch zu den Tabuthemen, sodass die Betroffenen oft erst dann ärztliche Hilfe suchen, wenn die Hämorrhoiden bereits erhebliche Probleme verursachen. Ein erfahrener, einfühlsamer Arzt wird bei der Untersuchung jedoch so behutsam vorgehen, dass diese für den Patienten kaum mit Belastungen verbunden ist. Im Übrigen dauert die endoskopische Tastuntersuchung von Enddarm und Analkanal (Rektos- und Proktoskopie) nur wenige Minuten. Eine sorgfältige Untersuchung ist schon allein deshalb notwendig, weil sich hinter Beschwerden im Analbereich auch eine andere Erkrankung verbergen könnte. So kann z. B. Blutabgang mit dem Stuhl auch ein Hinweis auf Darmkrebs sein. Wird er rechtzeitig mittels einer Darmspiegelung erkannt, sind die Heilungsaussichten gerade bei dieser Krebserkrankung sehr gut. |