Start Schmerzzone Wirbelsäule
Schmerzzone Wirbelsäule PDF Drucken E-Mail

Jede Chronifizierung von Schmerzen stellt für den Arzt eine Herausforderung dar. Dies trifft insbesondere auf chronische Rückenschmerzen zu: zum einen, weil aus der Vielzahl der in infrage kommenden Auslöser die eine Ursache sicher ermittelt werden muss, zum anderen, weil es gilt, das Leiden des Patienten nicht nur möglichst effizient, sondern auch so schonend wie möglich zu lindern. Dass dies in vielen Fällen ohne eine große »offene« Operation möglich ist, zeigt der Münchner Orthopäde Dr. med. Felix Söller vom MVZ im Helios im Gespräch mit TOPFIT auf.

 

Von Dr. Nicole Schaenzler

 

Anhaltende oder wiederkeh­rende Rückenschmerzen im höheren Lebensalter stehen oft in Zusammenhang mit dege­nerativen Veränderungen der Wir­belsäule. Dabei reicht das Schmerz­muster von tief sitzenden, aber örtlich begrenzten Kreuzschmerzen bis hin zu Rückenschmerzen, die in Haut und Muskulatur, in Gesäß und/oder Beine ausstrahlen – je nachdem, welche Strukturen be­sonders betroffen sind bzw. ob auch Nervenausfälle bestehen.

 

»Oft sind es die kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) oder die jeweils zwischen zwei Wirbeln gelegene Bandscheibe, an denen sich der Verschleißprozess in besonderem Maße manifestiert«, erläutert der Münchner Orthopäde Dr. Söl­ler vom MVZ im Helios. Abnutzungserscheinungen der kleinen Wirbelgelenke, die soge­nannte Spondylarthrose (Spondyl = Wirbel, Arthrose = Gelenkver­schleiß), gehen immer mit einem fortschreitenden Abbau von Knor­pel einher. Dies kann, über kurz oder lang, eine chronische Reizung der Facettengelenke zur Folge ha­ben. Und da die kleinen Wirbel­gelenke mit besonders vielen Ner­venfasern ausgestattet sind, sind chronische dumpfe, oft schwer zu beschreibende Rückenschmerzen – meist im Lendenwirbelsäulenbe­reich – typische Anzeichen für ein Facettensyndrom.

 

Schäden an der Bandscheibe

Bei der Bandscheibe reichen die Schäden von Verschleißerschei­nungen des Bandscheibenfachs oder kleinen Einrissen des äußeren, bindegewebigen Rings bis hin zur Vorwölbung oder einem Vorfall des gallertigen Kerns, der sich im Zent­rum der Bandscheibe befindet. Ein Bandscheibenvorfall erzeugt Druck auf eine Nervenwurzel, der dann neben einer Schmerzausstrahlung ins Bein auch eine Gefühlsminde­rung bis hin zur Muskelschwäche nach sich ziehen kann.

 

Wirbelkanalverengung

Eine besonders häufige Diagnose bei Patienten über 60 Jahren lautet »Verengung des Wirbelkanals«, in der medizinischen Fachsprache auch Spinalkanalstenose genannt. Durch degenerative Veränderun­gen an Wirbelgelenken, Bändern und Bandscheiben verengen sich der Wirbelsäulenkanal und oft auch die knöchernen Nervenaustrittsöff­nungen (Foramen). Mit der Zeit wird der Raum für die im Wirbelsäulenkanal verlaufenden Nerven immer enger, bis diese regelrecht gequetscht werden. Meist ist der Bereich der Lendenwirbelsäule betroffen; deshalb gehen die Schmer­zen häufig vom unteren Teil des Rü­ckens aus.

 

»Typisch sind Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen. Dadurch fällt es den Betroffenen zunehmend schwerer, längere Strecken zu gehen. Im fortgeschrittenen Stadium kön­nen sie keine 100 Meter mehr gehen, ohne eine längere Pause einlegen zu müssen«, so Dr. Söller. Diese Symptomatik ähnelt dem Beschwerde­bild der peripheren arteriellen Ver­schlusskrankheit, die auch »Schau­fensterkrankheit« genannt wird. Für einen verengten Wirbelkanal ist zudem charakteristisch, dass sich die Beschwerden in gestreckter Hal­tung verstärken; dagegen bessern sie sich durch Vorbeugen oder Hin­setzen. Bleibt eine therapeutische Intervention aus, drohen Nervenausfallerscheinungen wie Lähmun­gen, Taubheitsgefühle und sogar eine Blasen­ oder Stuhlinkontinenz.

 

Wirbelkörperfraktur durch Osteoporose

Stürze zählen zu den größten Gefahren für die Gesundheit im Al­ter. Schwere Brüche, z.B. von Wir­belkörpern der Wirbelsäule, sind keine Seltenheit – und oft werden die Betroffenen dadurch pflege­bedürftig. Hauptursache für das hohe Frakturrisiko ist eine Osteo­porose: Die Wirbelkörper haben durch eine erhebliche Einbuße ihrer Knochendichte an Stabilität verlo­ren und sind nun anfällig für Brü­che. Wirbelkörperfrakturen rufen nicht nur heftige Schmerzen her­vor, sondern führen mit der Zeit auch zu einer Verformung der ge­samten Wirbelsäule (z.B. Buckel­bildung, Seitwärtsverschiebung). Anhaltende, dumpfe und oft nur schwer lokalisierbare Rücken­schmerzen können aber auch durch kleine (unbemerkte) Einrisse in den Wirbelkörpern verursacht wer­ den. Besonders oft betroffen sind die Wirbelkörper im Brust­ und Lendenwirbelsäulenbereich.

 

… und wie der Orthopäde behandelt

 

Facettenverödung mittels Radiofrequenz

Dr. Söller: Schmerzen infolge eines Facettensyndroms können zunächst oft durch lokal eingebrachte Betäu­bungsmittel gelindert werden. Es kommt hierbei jedoch relativ häufig vor, dass der Behandlungserfolg nicht von Dauer ist. Langfristige Besserung verspricht die Radiofrequenz­-Thermokoagulation, eine minimal­invasive Methode, bei der die Nerven der betroffenen Facet­tengelenke, die für die Schmerzwei­terleitung zum Gehirn verantwortlich sind, mit einer Hitzesonde ver­ödet (koaguliert) werden. Dadurch wird der Schmerzreiz gestoppt und die Beschwerden verschwinden.

 

Punktgenaue Behandlung von Nervenwurzeln mit der PASHA-Elektrode

Dr. Söller: Auch die PASHA-­Metho­de zur Linderung von chronisch gereizten bzw. druckgeschädigten Nervenwurzeln, etwa durch eine geschädigte Bandscheibe oder ei­nen verengten Wirbelsäulenkanal, setzt auf eine schonende Verödung von schmerzführenden Nervenbah­nen, um so die Weiterleitung von Schmerzimpulsen zu unterbinden. Hierbei kommt ein ge­pulster Radiofrequenzstrom zum Einsatz, wodurch ein starkes elek­trisches Feld ohne Wärmewirkung erzeugt wird. Möglich macht dies ein neuartiger Multifunktionskatheter, die PASHA­-Elektrode. Hier­bei handelt es sich um einen fle­xiblen Katheter, der präzise und schonend in lokaler Betäubung über eine Kanüle unter Röntgen­kontrolle direkt an die betroffenen Nervenwurzeln vorgeschoben wird. Auf diese Weise wird die Schmerzweiterleitung am Nerv dauerhaft unterbrochen, ohne dass eine Ge­webeschädigung zu befürchten ist. Die Schmerzen lassen deutlich nach oder verschwinden im Idealfall ganz. Damit ist die PASHA-­Methode ein sicheres, risikoarmes und patien­tenschonendes Verfahren, das zu­ dem durch eine hohe Erfolgsquote überzeugt. Falls notwendig, können zur schnelleren Schmerzlinderung anschließend noch entzündungs­hemmende und abschwellende Medikamente eingebracht werden.

 

Mikroskopische Dekompression bei verengtem Wirbelkanal

Dr. Söller: Bei diesem Krankheits­bild geht es darum, den bedrängten Nerven Platz zu verschaffen, um so dem Betroffenen wieder ein schmerzfreies Alltagsleben zu er­ möglichen. Dies konnte lange Zeit nur mit einer aufwendigen Operation am offenen Wirbelkanal er­reicht werden, bei der die Wirbelbö­gen und Wirbelgelenke im verengten Bereich weitgehend entfernt werden. Dies hat allerdings oft eine Instabilität der Wirbelsäule zur Fol­ge, weil sich die einzelnen Wirbel­körper nun gegeneinander ver­schieben können. Deshalb zog die Entnahme größerer Knochenanteile meist eine Versteifungsoperation nach sich. Im MVZ im Helios setzen wir auf eine moderne mikroskopi­sche Vorgehensweise, die uns eine Dekompression der Nervenwurzel erlaubt, ohne die physiologischen und biomechanischen Verhältnisse und damit die Stabilität der Wirbel­säule zu gefährden.

Der Eingriff erfolgt unter Vollnarko­se, und zwar mit einem speziellen chirurgischen Mikroskop, mit dem das Operationsfeld um ein Vielfa­ches vergrößert wird. Mithilfe von miniaturkleinen Ar­beitsinstrumenten ist nun eine ge­zielte millimetergenaue Abtragung der für die Verengung verantwortlichen Knochenanteile möglich, so­ dass die bedrängte Nervenwurzel schonend und risikoarm entlastet werden kann.

Auch die minimal­invasive Vorge­hensweise selbst ist besonders ge­webeschonend, da durch sie Verletzungen von Nerven und den im Wirbelkanal verlaufenden Blutgefä­ßen vermieden werden. Zudem sind hierbei sowohl die Operationszeit als auch die Phase der Rekonvales­zenz deutlich kürzer als bei der kon­ventionellen Operation zur Behe­bung einer Wirbelkanalverengung.

 

Wirbelkörperfraktur: Stabilisierung durch Kyphoplastie

Dr. Söller: Bei schweren Schmerz­zuständen infolge einer Wirbelkör­perfraktur hat sich die Kyphoplas­tie bewährt. Das ist ein minimal­invasives Verfahren, das die normale Höhe der Wirbelkörper wieder her­stellt und gleichzeitig die Fraktur stabilisiert. Auch eine bereits vorhandene Wirbelsäulenverkrüm­mung kann auf diese Weise deutlich verringert werden. Viele Patienten spüren den schmerzlindernden Effekt bereits unmittelbar nach dem Eingriff. Im Übrigen können auch ältere Fraktu­ren mit der Methode erfolgreich be­handelt werden.

Dennoch gilt: Je früher eine Wir­belkörperfraktur festgestellt wird, desto erfolgreicher sind die Be­handlungschancen. Unter Röntgen­ kontrolle wird bei örtlicher Betäu­bung der eingefallene Wirbel zu­nächst mithilfe eines speziellen Bal­lons wieder aufgerichtet. Dann wird flüssiger Knochenzement in den eingebrochenen Wirbelkörper inji­ziert. Der Zement härtet innerhalb kurzer Zeit aus und verleiht dem Knochen neue Stabilität. Dadurch lässt der schmerzhafte Druck, den ein in sich zusammengesunkener Wirbelkörper auf die kleinen Wirbelgelenke ausübt, praktisch sofort nach. Außerdem wird das schmerz­hafte Aneinanderreiben von Kno­chenflächen und Knochenhaut gestoppt.

 

Dr. med. Felix Söller ist als Facharzt für Orthopädie im MVZ im Helios in München tätig. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten gehören neben minimalinvasiven Wirbelsäuleninterventionen auch die operative Behandlung von Schultererkrankungen sowie Knie- und Vorfußoperationen.

Nähere Infos unter www.mvz-im-helios.de

 
Joomla templates by a4joomla