Bescheid wissen. Gesund bleiben.

Wenn das Händedrücken heftige Schmerzen verursacht, kann ein Tennisarm die Ursache sein. Über ­auslösende Faktoren und Behandlung dieser häufigsten Erkrankung des Ellbogens sprach TOPFIT mit dem Münchner ­Orthopäden Dr. med. Werner Zirngibl, der als Sportmediziner und ehemaliger Profi-Tennisspieler der Experte zum ­Thema »Tennisarm« ist.

Von Dr. Nicole Schaenzler

Herr Dr. Zirngibl, welches Krankheits­bild verbirgt sich hinter dem Begriff »Tennisarm«?

Dr. Zirngibl: Ausgangspunkt des Tennisarms sind Mikroeinrisse im Sehnenansatz der Unterarm-Streckmuskulatur. Diese entstehen infolge einer Fehl- bzw. Überlastung. Dadurch wird eine Reiz- bzw. Entzündungsreaktion in Gang gesetzt, die stark schmerzhaft ist. Typische Anzeichen sind Druckschmerzen am äußeren Ellbogenknochen sowie Schmerzen bei Streckbewegungen des Handgelenks und Drehungen des Unterarms; oft strahlen die Schmerzen im Ellbogen über die Außenseite bis in die Hand aus. Auch das Heben von Gegenständen oder Händedrücken können dem Betroffenen Probleme bereiten.

Und eine solche Überlastung entsteht z. B. durch Tennisspielen?

Dr. Zirngibl: Beim Tennisspiel sind es vor allem die mechanischen Stoß- und Vibrationsbelastungen, die durch die Aufprallenergie des Tennisballs auf den Schläger entstehen, durch die insbesondere die Streckmuskelgruppe und deren Sehnenansatz am Ellbogen stark beansprucht werden. Veränderte Schlagtechniken und verbesserte Materialien haben aber dazu geführt, dass Tennisspieler inzwischen immer seltener von einem Tennisarm betroffen sind.

Es gibt Menschen, die kein Tennis spielen und trotzdem einen Tennisarm erleiden …

Dr. Zirngibl: … das stimmt, viele unserer Patienten haben niemals in ihrem Leben Tennis gespielt, leiden aber dennoch unter den typischen Beschwerden eines Tennisarms. Auslöser sind meist Situationen, bei denen die Hand bei gebeugtem Ellbogen mit Kraft einseitige Bewegungsabläufe ausführt, z. B. länger andauerndes Schraubendrehen oder Hämmern. Immer häufiger ist eine falsche Armhaltung während der Arbeit am Computer die Ursache – hierfür wurde inzwischen der Begriff »Mausarm« etabliert.

Was ist zu tun, wenn die Diagnose Tennisarm lautet?

Dr. Zirngibl: Meist helfen neben einer konsequenten Schonung lokale Kälte- bzw. Wärmeanwendungen und/oder Ultraschallbehandlungen, bei ausgeprägten Schmerzen setzen wir auch Injektionen zur Eindämmung der Entzündung im Sehnenansatzbereich ein. Wichtig ist, dass die Ursache durch eine sorgfältige Untersuchung sicher geklärt ist. Eine Arthrose des Ellbogengelenks, ein Nervenengpass-Syndrom oder ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule rufen oft ähnliche Symptome hervor, verlangen jedoch nach einer anderen Behandlungsstrategie.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es, wenn der Tennisarm chronisch geworden ist?

Dr. Zirngibl: Chronische Tennisarmbeschwerden können sehr hartnäckig und langwierig sein. Eine bewährte Therapie­option ist z. B. die Stoßwellentherapie. Das Verfahren zielt darauf ab, die durch die anhaltende Entzündung entstandenen kalkhaltigen Ablagerungen mittels gebündelter Wellen zu zerkleinern. Gleichzeitig werden die Durchblutung in der behandelten Region angeregt und Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Eine weitere erfolgversprechende Möglichkeit ist der Einsatz von sogenanntem Platelet Rich Plasma (PRP), das aus Eigenblut gewonnen wird. Die Wirkung der PRP-Therapie beruht auf der Erkenntnis, dass die im menschlichen Blut enthaltenen Wachstumsfaktoren Selbstheilungs- und Regenerationsprozesse positiv beeinflussen und beschleunigen können. Hauptbestandteile von PRP sind deshalb Blutplättchen und zahlreiche Wachstumsfaktoren, die von den Blutplättchen während der Aufbereitung vermehrt freigesetzt werden. Hierfür wird dem Patienten zunächst Blut aus der Armvene entnommen, das dann mehrere Minuten lang zentrifugiert wird. Anschließend wird die Lösung mit einer speziellen Spritze in die betroffene Stelle injiziert. Das Verfahren hat sich auch bei einer chronischen Achillessehnen- und anderen Sehnenentzündungen bewährt.

 

Zur Person

Dr. med. Werner Zirngibl ist als Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin im Münchner MVZ im Helios niedergelassen. Als ehemaliger Profi-Tennisspieler war er 14 Mal Deutscher Tennismeister, er spielte beim Daviscup und anderen international renommierten Turnieren. Heute ist Dr. Zirngibl als Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin im Münchner MVZ im Helios tätig. Neben der konventionellen und operativen Therapie des Tennis- bzw. Golferarms gehören u. a. auch die Diagnostik und Therapie von Beschwerden der Knie- und Sprunggelenke zu seinem Leistungsspektrum. Außerdem nimmt er minimal-invasive Wirbelsäuleneingriffe vor und arbeitet mit innovativen schmerztherapeutischen Verfahren.

Nähere Infos: www.mvz-im-helios.de 

Bildnachweis (header): 123RF (racorn)

 

Bildnachweis Startseite

""Globuli für Tiere": Helena Schwinghammer, Letter Content Media
"Kalkschulter": Fotolia (Stefan Redel))
"Schmerzen": staras / 123RF Lizenzfreie Bilder

Banner slide:
Katze: Helena Schwinghammer, Letter Content Media

Bildnachweis Content

Alle anderen Bildnachweise am Ende des jeweiligen Artikels.