Bescheid wissen. Gesund bleiben.

Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP)

Im Alter ändern sich nicht nur die Essgewohnheiten, sondern auch die Anforderungen an die Ernährung. Die Münchner Ernährungswissenschaftlerin Monika Bischoff vom Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) erklärt, was unter »gesund essen im Alter« zu verstehen ist und welche Konzepte die Ernährungsmedizin bietet, wenn die Gesundheit durch eine Über- oder Mangel­ernährung bedroht ist.

von Dr. Nicole Schaenzler

Eine Fehlernährung gehört zu den häufigsten Diagnosen bei älteren Menschen. Allerdings: Während bei den »jüngeren« Senioren eher Übergewicht als Folge einer Fehlernährung dominiert, steht bei den »älteren« Senioren oft eine Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen im Vordergrund. Letzteres ist erst in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus gerückt, wird aber inzwischen sehr ernst genommen: Bereits ein leichtes Nährstoffdefizit führt zu Schwäche, Müdigkeit und Antriebsarmut. Zudem macht eine Mangelernährung nicht nur anfälliger für Erkrankungen, sondern hat über kurz oder lang auch erhebliche Störungen wichtiger Organfunktionen zur Folge.

Gesundheitsproblem Mangelernährung

Mangelernährung bedeutet, dass die Nahrungszusammensetzung nicht ausgewogen genug ist, um den tatsächlichen Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen zu decken. Und: Viele Ältere nehmen zu wenig Eiweiß zu sich. Dabei haben sie meist einen höheren Eiweißbedarf als Jüngere. Besteht ein Eiweißmangel, sind Betroffene anfälliger für Infekte, auch der Abbau von Muskelmasse wird beschleunigt. »Dadurch nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab, es kommt zu Störungen in der Koordination von Bewegungen, und die Gefahr für Stürze steigt«, erklärt Monika Bischoff.

Ohnehin gehört der Verlust an Muskulatur zu den typischen körperlichen Veränderungen der zweiten Lebenshälfte: Schon ab dem 40. Lebensjahr wird der Muskelanteil weniger, wohingegen der Anteil an Fettgewebe steigt. Die Folge: Der Grundumsatz sinkt, sodass ältere Menschen weniger Energie verbrauchen als jüngere. Der Bedarf an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen bleibt jedoch mindestens gleich oder ist sogar erhöht. »Eine gesunde, ausgewogene Ernährung im Alter bedeutet deshalb vor allem: weniger Kalorien, aber mindestens die gleiche Menge an Nährstoffen«, sagt Monika Bischoff.

Übergewicht — raus aus dem Teufelskreis

Wie wichtig es für die Vermeidung von Übergewicht im Alter ist, auf eine bedarfsgerechte Kalorienzufuhr zu achten, zeigen die Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Danach benötigt eine 65-jährige Frau am Tag etwa 170 Kalorien weniger als eine 25-Jährige, bei einem Mann sinkt der Energiebedarf im gleichen Zeitraum sogar um 330 Kalorien. Viele wissen jedoch oft nicht, dass sich ihr Energiebedarf geändert hat – und nehmen dann mehr Kalorien auf, als der Körper eigentlich benötigt. »Vor allem Frauen während oder nach den Wechseljahren tun sich oft schwer, ihre Ernährung an ihren tatsächlichen Grundumsatz anzupassen«, so Frau Bischoff. Zahlreiche Versuche, das Gewicht mit einseitigen Diäten zu reduzieren, tun meist ihr Übriges, um die Abnehmbemühungen ins Leere laufen zu lassen. Oft wird das Gegenteil bewirkt – die Waage zeigt noch mehr Kilos an als zuvor, wenn wieder auf gewohnte Essgewohnheiten umgestellt wurde. Besonders fatal sind (eiweißarme) Diäten, die auf eine rasche Gewichtsabnahme in wenigen Tagen abzielen. Denn dadurch lernt der Körper, mit deutlich weniger Energie auszukommen. Dafür werden Stoffwechselvorgänge auf Sparflamme gesetzt, die Masse der Muskeln, denen bei der Energieverbrennung eine Schlüsselrolle zukommt, wird abgebaut, der Grundumsatz sinkt. Spätestens jetzt greift der Ansatz zu kurz, nur die Gewichtsabnahme in den Fokus zu nehmen. Denn für den langfristigen Erfolg ist ein Gewichtsmanagement wichtig, das auf mehreren Bausteinen basiert: auf einer individuell abgestimmten Ernährungsumstellung, mit der der heruntergefahrene Stoffwechsel auf Trab gebracht und der Grundumsatz wieder gesteigert wird, auf regelmäßiger körperlicher Aktivität, die die positiven Effekte der neuen Essgewohnheiten unterstützt – und auf eine Änderung von Verhaltensweisen, die zum Übergewicht geführt haben. Studien belegen: Am besten gelingt dies mithilfe eines qualifizierten Therapieprogramms, das auf der Zusammenarbeit von Ernährungsmedizinern, Psychologen, Ernährungs- und Bewegungstherapeuten basiert.

Das ZEP-max-compact-Programm

Ein solches Therapiekonzept ist das multimodale ZEPmax-compact-Programm: 16 Wochen lang treffen sich wöchentlich zehn bis 15 Personen im ZEP, um fachärztlich begleitet schrittweise gesund abzunehmen. Entwickelt wurde es auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und richtet sich an Patienten mit einem BMI ≤ 30. Das Programm verfolgt im Wesentlichen zwei Therapieziele: eine Reduzierung des Gewichts und die Befähigung der Teilnehmer zu einer dauerhaften Umstellung ihres Lebensstils, mit der es ihnen gelingt, sich auch im Alltag ausgewogen zu ernähren – und so das erreichte Gewicht langfristig zu halten.

Vor dem Programmstart findet eine ausführliche ärztliche Untersuchung statt. Das Programm selbst ist in drei Phasen aufgebaut: »Die Teilnehmer beginnen mit einer sechswöchigen Formula-Diät, in der sie sich ausschließlich von speziellen Eiweiß-Drinks und Suppen ernähren. In dieser Zeit können sie bis zu zwei Kilo pro Woche verlieren und gleichzeitig genügend Abstand zu ihren alten Essgewohnheiten gewinnen«, erklärt Monika Bischoff. Während der anschließenden dreiwöchigen Aufbauphase sowie der sechs Wochen umfassenden Phase des Gewichtsmanagements wird schrittweise auf eine Ernährung mit einer gesunden Mischkost umgestellt.

Begleitend erhalten die Teilnehmer eine fundierte Ernährungsberatung. In den verhaltenstherapeutischen Sitzungen lernen sie, Rückfälle zu vermeiden und auch kritische Momente wie Heißhungergefühle im Alltag zu bewältigen. Unverzichtbar für den Behandlungserfolg ist die Teilnahme am Sportprogramm ZEPSport. Abgesehen davon, dass der Körper während des Trainings automatisch mehr Kalorien verbraucht, lässt sich der Grundumsatz des Organismus allein schon durch eine Kräftigung der Muskulatur steigern.

Das Interview zum Thema

Im Gespräch mit TOPFIT erläutert Frau Dipl. oec. troph. Monika Bischoff vom Krankenhaus Barmherzige Brüder München die Ziele und Angebote des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP).

Frau Bischoff, älteren Menschen fällt es oft schwer, sich so zu ernähren, wie es ihr Körper braucht; Ärzte sprechen dann von einer Mangelernährung. Was sind die Gründe?

Frau Bischoff: Die Gründe sind vielfältig. Beispielsweise haben viele ältere Menschen oft weniger Appetit, sodass sie weniger, manchmal auch zu wenig essen. Ebenso kann sich die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder ein eingeschränktes Geschmacks- bzw. Geruchsempfinden ungünstig auf den Appetit auswirken. Bei anderen wird die Lust am Essen durch Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken beeinträchtigt. Ebenso können Sehprobleme oder manuelle Einschränkungen eine Rolle spielen. Aber auch eine Erkrankung oder eine Unverträglichkeit von bestimmten Speisen kann dazu führen, dass bestimmte Nährstoffe nicht mehr in dem Maße aufgenommen werden, wie der Körper sie eigentlich benötigt. Dann hat eine Gastritis beispielsweise einen ausgeprägten Vitamin-B-12-Mangel zur Folge, oder eine Unverträglichkeit von Milch und Milchprodukten, wie sie im höheren Lebensalter häufig ist, zieht einen Eiweißmangel nach sich. Gerade einen Eiweißmangel sollten ältere Menschen möglichst vermeiden, etwa, um einem ausgeprägten Muskelschwund vorzubeugen.

Kann eine Ernährungsberatung helfen?

Frau Bischoff: Auf jeden Fall. Der Vorteil einer Ernährungsberatung liegt vor allem in der Möglichkeit, individuell auf die Probleme und Bedürfnisse des Betroffenen einzugehen. Besteht z. B. eine Unverträglichkeit auf Milchprodukte, suchen wir nach eiweißreichen Alternativen, die dem Patienten schmecken und die er gut verträgt. Oder wir geben ihm praktische Tipps an die Hand, wie gesunde Lebensmittel leichter verzehrt oder bekömmlicher zubereitet werden können. Hierfür sind insgesamt fünf Termine vorgesehen, die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Von einer anderen Form der Fehl­ernährung sind Patienten betroffen, die an Ihrem ZEPmax-compact-Programm teilnehmen. Ist das Programm auch für Menschen geeignet, die unter einem ausgeprägten Übergewicht leiden?

Frau Bischoff: Für Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 32 bieten wir das ZEPmax-Programm an, das insgesamt 52 Wochen umfasst. Dies bedeutet, dass die Patienten das ganze Jahr hindurch von einem hochprofessionellen Team aus Ernährungsmedizinern, Ernährungsfachkräften, Psychologen und Bewegungstherapeuten betreut werden. Dabei treffen sich die Teilnehmer wöchentlich abwechselnd zur Verhaltens- oder Ernährungstherapie sowie zum Sportprogramm am Zentrum. Wie auch beim ZEPmax-compact-Programm findet vor dem Programmstart für jeden Teilnehmer eine ausführliche Untersuchung und Anamnese durch den betreuenden Arzt und Verhaltenstherapeuten statt. Das Programm ist sehr erfolgreich: Durch den interdisziplinären Therapieansatz wird ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von ca. 25 Prozent des Körpergewichts erreicht. Speziell abgestimmte Nachsorgeprogramme sichern die Nachhaltigkeit des Therapieerfolgs.

Welche weiteren Erkrankungen werden im ZEP im Einzelnen behandelt?

Frau Bischoff: Neben der bereits erwähnten Mangelernährung sowie Übergewicht bzw. Adipositas gehören auch Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder eine Fett­leber zu unserem Behandlungsspektrum. Ein weiterer Schwerpunkt ist die krankheitsgerechte Ernährung bei Magen-Darm-Erkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Krebserkrankungen.

Ist die Einbindung des ZEP in ein Krankenhaus von Vorteil?

Frau Bischoff: Sicher. So stehen uns jederzeit alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten eines modernen Krankenhauses zur Verfügung. Für Patienten hat dies viele Vorteile: Koppeltermine, sehr kurze Wege und eine Patientenakte – all dies spart wertvolle Zeit auf dem Weg zur raschen Diagnose bzw. zum baldmöglichen Therapiebeginn. Andererseits schätzen unsere Patienten die helle freundliche Atmosphäre unseres Zentrums, das sich nicht direkt im Haus, sondern wenige Meter davon entfernt befindet.

Zu den Personen

Das Krankenhaus Barmherzige Brüder München hat seit 22 Jahren einen Schwerpunkt in der Ernährungsmedizin. Um den zunehmenden Anforderungen des Fachgebiets gerecht zu werden, wurde das Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) gegründet. Die Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin (DAEM) hat das Krankenhaus Barmherzige Brüder München als eine von nur sechs Akutkliniken in Deutschland mit dem Prädikat »Lehrklinik für Ernährungsmedizin« ausgezeichnet. Zudem ist das ZEP als »Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin« durch den Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM) zertifiziert. Mit seinem mehr als 50-köpfigen interdisziplinären Team, zu dem neben Ernährungsmedizinern, Ökotrophologen und Diätassistenten auch Psychologen und Bewegungstherapeuten gehören, zählt das ZEP aktuell zu den größten ernährungsmedizinischen Zentren in Deutschland. Für seine Arbeit wurde das Zentrum 2016 mit dem Therapiepreis des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner ausgezeichnet.
Geleitet wird das ZEP von Dr. med. Gert Bischoff. Dr. Bischoff ist Internist, Ernährungsmediziner, Hepatologe (DGVS) und Oberarzt der Abteilung Innere Medizin I — Gastroenterologie.
Dipl. oec. troph. Monika Bischoff ist die Diätetische Leiterin des ZEP. Zu ihren Aufgabengebieten gehört u. a. präventive Ernährungsberatung und Ernährungstherapie sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.
Nähere Infos: www.barmherzige-muenchen.de sowie: www.zep-muenchen.de

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