Bescheid wissen. Gesund bleiben.

Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) geht davon aus, dass 50 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle vermieden werden könnten, wenn ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie) rechtzeitig behandelt werden würde. Ein Problem ist, dass viele gar nicht wissen, dass sie betroffen sind. Dies lässt sich leicht ändern: Wer regelmäßig seinen Blutdruck misst, kann rasch erkennen, ob er zu hoch ist und sich dann an einen Arzt wenden. Die zweite gute Nachricht: Die Betroffenen können selbst viel tun, um ihrer Erkrankung den Schrecken zu nehmen.

Von Dr. Nicole Schaenzler

 

Bluthochdruck besteht, wenn das Messgerät wiederholt Werte von mehr als 140/90 mmHg ­anzeigt. Dies ist nicht nur eine einfache, sondern zugleich die sicherste Methode abzuklären, ob man zu den mehr als 20  Millionen Hypertonikern in Deutschland gehört. Denn Bluthochdruck ist heimtückisch: Er macht lange Zeit keine Beschwerden, und er schränkt auch die Lebensqualität nicht spürbar ein. Die Folge: Jeder vierte Bluthochdruckpatient weiß nichts von seiner Erkrankung. Deshalb wird die Hypertonie auch »stiller Killer« genannt: Bleibt ein chronisch zu hoher Blutdruck unbehandelt, ist die Gefahr groß, dass es zu gefährlichen Folgeerscheinungen kommt.

Eine Erkrankung des Gefäßsystems

Insbesondere in den Blutgefäßen kann ein dauerhaft erhöhter Bluthochdruck großen Schaden anrichten. Vor allem leistet er der Entstehung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung Vorschub – bis hin zur Entwicklung eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Darüber hinaus hat Bluthochdruck einen ungünstigen Einfluss auf den Herzmuskel: Auch dieser kann mit der Zeit verdicken und so allmählich seine Funktionsfähigkeit einbüßen. Die Folge ist eine Herzmuskelschwäche. Ebenso können das Gehirn (vaskuläre Demenz!) oder die Nieren (Nierenversagen!) durch einen permanent zu hohen Blutdruck geschädigt werden.

Ursache meist unklar

Einige Auslöser für Bluthochdruck sind bekannt, so z. B. ein chronisches Nierenleiden (renale Hypertonie), einige hormonelle Erkrankungen (endokrine Hypertonie) oder das Schlafapnoe-Syndrom. Dann spricht der Arzt von einer »sekundären Hypertonie«. In 90 Prozent der Fälle bleibt die Ursache jedoch unklar – es liegt die »primäre« oder »essenzielle« Form der Hypertonie vor. Auffällig ist, dass ein chronisch zu hoher Blutdruck familiär gehäuft auftritt. Deshalb sind sich die Experten einig, dass erbliche Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Regelmäßiger Alkoholkonsum
  • Salzreiche Ernährung
  • Einnahme der Antibaby-Pille
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Medikamente, z. B. Kortisonpräparate, Appetitzügler, nichtsteroidale Antirheumatika

Aktuelle Zielwerte

Wirksamster Schutz vor Gefäß- und Organ­erkrankungen ist die dauerhafte Senkung eines erhöhten Blutdrucks. Hierfür haben die europäischen Fachgesellschaften Leitlinien zur Blutdrucktherapie für den oberen (systolischen) und für den unteren (diastolischen) Wert festgelegt. Seit 2013 gelten Werte unter 140/90 mmHg als Zielblutdruck – und zwar sowohl für Patienten mit einem geringen wie auch mit einem höheren Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Damit wurden frühere Leitlinien relativiert, die für Hochrisikopatienten generell eine Senkung der Werte auf 130/80 mmHg und niedriger als erklärtes Therapieziel vorsahen. Neu ist auch, dass Werte zwischen 130 und 139 mmHg nicht mehr obligatorisch mit Medikamenten behandelt werden. Stattdessen soll zunächst versucht werden, den Blutdruck durch eine gesündere Lebensweise zu senken. Wenn Medikamente zur Senkung des Blutdrucks notwendig sind, insbesondere bei Blutdruckwerten von deutlich über 140 mmHg/90 mmHg, beginnt man in den meisten Fällen mit einer niedrigen Dosis, die langsam gesteigert wird. Dabei kann es einige Wochen und sogar Monate dauern, bis der Zielwert konstant erreicht wird. So werden Nebenwirkungen gering gehalten.

Blutdruckwerte im Überblick

  systolisch diastolisch
Optimal < 120 < 80
Normal < 130 < 85
Hochnormal < 130139 85 89
Milder Bluthochdruck 140-159 9099
Mittelschwerer Bluthochdruck 160-179 100 109
Schwerer Bluthochdruck > 180 > 110

Für die Diagnose »Bluthochdruck« müssen nicht beide Grenzwerte überschritten sein. Auch wenn nur einer der beiden Werte erreicht ist, liegt Bluthochdruck vor.

SPRINT-Studie: Ist eine Änderung nötig?

Die moderatere Zielwert-Vorgabe ist eine Reaktion auf verschiedene Studien, wonach eine zu starke Absenkung des Blutdrucks nicht nur zu Schwindel, Benommenheit und Müdigkeit, sondern auch zu Schäden an den Nieren führen kann. Nun hat eine groß angelegte Therapiestudie des National Institute of Health aus den USA für Aufsehen gesorgt, die zu einem erneuten Umdenken führen könnte. Bei der SPRINT-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial) mit 9361 über 50 Jahre alten Probanden sollte die Hälfte der Teilnehmer einen Zielwert von unter 140 mmHg und die andere Hälfte einen Wert von unter 120 mmHg anstreben. Bereits nach drei Jahren war das Ergebnis so eindeutig, dass die Forscher die Studie vorzeitig abbrachen. Denn die Teilnehmer, deren Blutdruck stärker gesenkt wurde, erkrankten deutlich seltener an einer Herzschwäche als die Probanden der moderat eingestellten Gruppe. Zudem erlitten sie seltener einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Vor allem aber traten in der intensiv behandelten Gruppe deutlich weniger Todesfälle auf.

Die starke Blutdrucksenkung hatte allerdings auch ihren Preis: Von Nebenwirkungen wie Schwindel oder einer Nierenschwäche waren die Teilnehmer der Intensivgruppe häufiger betroffen. Diesem Aspekt schenken die Experten in Deutschland bei der Bewertung des Studien­ergebnisses nun viel Beachtung. Gleiches gilt für die Tatsache, dass an der Studie ausschließlich Patienten teilnahmen, die bereits vorbelastet waren: Ein Teil der Probanden war älter als 75 Jahre, ein anderer litt bereits an einer Herz-Kreislauf- oder chronischen Nierenerkrankung. Demgegenüber waren Diabetiker oder Personen, die schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten, nicht zur Studie zugelassen. Für die Fachleute stellt sich jetzt die Frage, ob das Studienergebnis Grund genug ist, die Therapie-Leitlinien für Deutschland erneut zu ändern. Denn auch wenn die Studie den Schluss nahe legt, dass viele Patienten von der Einstellung auf einen niedrigeren Zielwert profitieren, bleibt offen, ob dies für alle Patientengruppen gleichermaßen zutrifft. Nach jetzigem Diskussionsstand verneint dies die Mehrzahl der Ärzte in Deutschland und plädiert stattdessen dafür, die derzeit gültigen Zielwertvorgaben zumindest für ansonsten gesunde Bluthochdruckpatienten beizubehalten.

Gleichwohl hat die SPRINT-Studie einmal mehr die Notwendigkeit unterstrichen, bei der Festlegung der Bluthochdruck-Therapie immer auch das Gesamtrisiko im Blick zu haben: Nicht nur die Blutdruckwerte selbst sollten berücksichtigt werden, sondern auch alle weiteren vorhandenen Faktoren, die einer Herz-Kreislauf-Erkrankung Vorschub leisten. So gesehen, gibt es nicht die eine, für alle gültige Behandlungsstrategie, sondern die Therapie-Entscheidung muss stets individuell getroffen werden.

Kein Therapieerfolg ohne regelmäßige Blutdruckmessung

Wer seinen Blutdruck regelmäßig selbst misst, hat ihn besser unter Kontrolle, als wenn nur der Arzt misst. In einen Blutdruck-Pass können die regelmäßigen Messungen eingetragen werden – so erhalten Sie selbst und Ihr Arzt einen Überblick über den Verlauf des Bluthochdrucks und damit die Grundlage für eine optimale Einstellung Ihrer Werte. Wichtig ist, dass die Selbstmessungen mit einem Messgerät erfolgt, das von der Deutschen Hochdruckliga geprüft wurde (erkennbar am DHL-Siegel).

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt Messungen mit einem Oberarm-Messgerät durchzuführen, es sind jedoch auch Modelle fürs Handgelenk erhältlich.

Guter Rat aus der Apotheke

Wer bei Kauf und Messung unsicher ist, sollte sich unbedingt in der Apotheke beraten lassen! Dort nimmt man sich Zeit und prüft gemeinsam mit Ihnen, welches Gerät Ihren individuellen Bedürfnissen am besten gerecht wird.

So messen Sie richtig

  • Messen Sie mindestens zweimal täglich, am bestens morgens und abends zur möglichst gleichen Uhrzeit, jeweils vor dem Essen und vor Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente.
  • Messen Sie grundsätzlich in ungestörter und leiser Umgebung.
  • Beginnen Sie schon fünf Minuten vor der Messung, sich zu entspannen. Legen Sie die Manschette am Oberarm an. Platzieren Sie den Arm auf dem Tisch, halten Sie ihn so ruhig wie möglich.

Pumpen Sie, wenn Sie mit Manschette messen, diese auf etwa 200 mmHG auf, und lassen Sie dann die Luft heraus. Die Druckanzeige läuft dann nach unten und bleibt auf dem ermittelten Wert stehen. Notieren Sie diesen Wert mit Datum und Uhrzeit in Ihr Messwertprotokoll.

Sonderfall Conn-Syndrom

Manche Patienten mit Bluthochdruck versuchen alles: Sie nehmen beispielsweise hoch dosierte Kombinationen verschiedener Blutdrucksenker – und dennoch fallen die Werte nicht. Dies gilt hierzulande für etwa eine Million Hypertonie-Patienten. In solchen Fällen liegt der Hypertonie häufig das Conn-Syndrom zugrunde, ausgelöst durch erhöhte Werte des Hormons Aldosteron.

Lange wurden Häufigkeit und Auswirkungen des Conn-Syndroms stark unterschätzt: Noch bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass die Erkrankung selten ist und weniger als ein Prozent der Hypertoniker betrifft. Inzwischen weiß man: Das Conn-Syndrom gehört zu den häufigsten Ursachen für die sekundäre Form des Bluthochdrucks und betrifft bis zu zwölf Prozent der Bluthochdruckkranken.

Das Conn-Syndrom wird auch als primärer Hyperaldosteronismus bezeichnet: Ein Enzym, das sich in der äußersten Schicht der Nebennieren (Zona glomerulosa) befindet, produziert das Nebennierenhormon Aldosteron im Übermaß, das maßgeblich an der Regulation des Wasser- und Salzhaushalts des Körpers beteiligt ist. Durch den Effekt auf den Ionentransport in der Niere führt das Hormon einerseits zur Ausscheidung von Kalium und andererseits zur Rückresorption von Natrium und Wasser. Wird zu viel Aldosteron gebildet, hat dies zur Folge, dass die Nierenzellen übermäßig viel Natrium aus dem Urin zurückgewinnen und umgekehrt Kalium verlieren. Mehr Natrium im Organismus lässt den Blutdruck steigen. Dementsprechend ist das Leitsymptom der Erkrankung ein zu hoher Blutdruck, der sich nur schlecht einstellen lässt. Zudem hat der Conn-Patient meist sehr niedrige Kaliumwerte im Blut.

Häufigste Ursache: Ein gutartiger Tumor

In rund zwei Drittel der Fälle ist ein gutartiger Tumor (Conn-Adenom) der Auslöser für die Überproduktion von Aldosteron. Bei diesen Patienten steht dann meist die operative Entfernung der betroffenen Nebennieren an, wodurch die Erkrankung vollständig geheilt (in 80 Prozent der Fälle) oder der Bluthochdruck zumindest deutlich verbessert werden kann.

Ist eine bilaterale (beidseitige) Nebennierenhyperplasie, d. h. eine krankhafte Vergrößerung der Nebennieren, ursächlich verantwortlich, ist eine medikamentöse Therapie die Methode der Wahl: Der Betroffene muss für den Rest seines Lebens einen sogenannten Aldosteron-Antagonisten einnehmen, der die Aldosteron-Rezeptoren blockiert und so die übermäßige Abgabe von Aldosteron verhindert. Reicht diese Maßnahme allein nicht für eine konstant gute Blutdruckeinstellung aus, müssen zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente eingenommen werden.

Die Abklärung ebenso wie die Therapie eines Conn-Syndroms sollten unbedingt in einem spezialisierten Zentrum (in München z. B. im Conn-Zentrum des Klinikums der Universität München) erfolgen. Denn auch wenn die jahrelangen Ärzteodysseen bis zur endgültigen Diagnosesicherung inzwischen seltener geworden sind, kommt es immer noch vor, dass die ursächliche Erkrankung für Bluthochdruck zu lange unerkannt bleibt.

Das können Sie selbst tun

Wichtigstes und wirksamstes Mittel gegen Bluthochdruck ist ein gesunder Lebensstil. Gelingt es, auf ungünstige Gewohnheiten zu verzichten und gesundheitsfördernde Maßnahmen ins tägliche Leben zu integrieren, ist die Chance groß, dass zumindest die Dosis der Medikamente verringert werden kann. Zwei Maßnahmen sind besonders wirksam: eine salzarme, ausgewogene Ernährung und regelmäßige körper­liche Aktivität. Deshalb:

  • Wechseln Sie zu einer gesunden Ernährung. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt, dass die Ernährung zu 75 Prozent aus Gemüse, Obst und Salat bestehen sollte.
  • Versuchen Sie abzunehmen, wenn Ihre Waage überflüssige Kilos anzeigt! Pro abgenommenem Kilogramm Körpergewicht kann der Blutdruck bereits um bis zu 2 mmHg gesenkt werden.
  • Nehmen Sie weniger Kochsalz zu sich! Stu­dien zeigen, dass ein Großteil der Hochdruckpatienten davon profitiert, wenn sie ihren Salzkonsum auf 5 bis 6 Gramm pro Tag reduzieren – das entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. Dies lässt sich am besten umsetzen, indem Sie z. B. beim Kochen bevorzugt mit Kräutern würzen und auf Nachsalzen verzichten. Schränken Sie zudem den Verzehr von stark salzhaltigen Lebensmitteln wie Fertiggerichte, Wurst, Käse, geräucherte Produkte und Brot ein.
  • Regelmäßiges Ausdauertraining kann die Blutdruckwerte um etwa 5 bis 10 mmHg senken! Gut geeignet sind Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Nordic Walking. Idealerweise sollten Sie drei- bis viermal pro Woche, jeweils mindestens 30 bis 45 Minuten lang Sport treiben.
  • Bauen Sie Stress ab! Die vermehrte Produktion von Stresshormonen wie Kortison und Adrenalin in Phasen starker Belastung wirkt sich ungünstig auf Bluthochdruck aus. Dagegen helfen Entspannungstechniken (etwa Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelrelaxation, Biofeedback) sowie regelmäßige körperliche Aktivität.
  • Geben Sie das Rauchen auf! Rauchen fördert die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Bluthochdruck erhöht sich das Risiko noch einmal um ein Vielfaches.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum! Männern wird empfohlen, pro Tag nicht mehr als 20 Gramm Alkohol zu trinken (z. B. 1/4 Liter Wein), Frauen sollten ihren täglichen Alkoholgenuss auf maximal 10 Gramm (ca. 1/8 Liter Wein) beschränken.

Je mehr Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vorliegen, desto niedriger sollte der Blutdruck sein.

Das Interview zum Thema

TOPFIT erläutert Prof. Dr. Stefan Kääb vom Klinikum der Universität München die Eckpfeiler einer erfolgreichen Bluthochdruckbehandlung.

Herr Prof. Kääb, was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung von Bluthochdruck?

Prof. Kääb: Wichtig sind zunächst eine detaillierte Erhebung der Krankheitsgeschichte sowie eine eingehende Unter­suchung des Patienten, wobei auch möglicherweise bereits vorhandene Organschäden, etwa an den Gefäßen, den Augen, Nieren oder dem Herz, erfasst werden. Dies ist die Grundvoraussetzung für die Entwicklung eines individuell auf den Patienten und seine aktuelle Situa­tion abgestimmten Behandlungsplans. In den meisten Fällen steht eine Änderung des Lebensstils im Vordergrund, die neben regelmäßiger körperlicher Aktivität gegebenenfalls auch eine schrittweise Gewichtsreduktion vorsieht, wenn Übergewicht besteht. Parallel dazu erfolgt die Einleitung der medikamentösen Therapie, die in der Regel stufenweise erfolgt. Ganz wichtig ist auch eine ausführliche Beratung des Patienten. So sollte er nicht nur über mögliche, meist vorübergehende Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie, sondern auch über die Risiken der arteriellen Hypertonie genau Bescheid wissen. Dass ein unbehandelter oder nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck schwere Folgen wie einen Schlaganfall, Herzinfarkt und Vorhofflimmern, aber auch Nieren-, Augen- oder Gefäßerkrankungen haben kann, hilft den Betroffenen und ihren Angehörigen, die Notwendigkeit einer konsequenten und langfristigen Therapie, zu der auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören, besser zu verstehen — und die hierfür nötige Geduld aufzubringen.

Bei welchen Patienten sollte eine intensive Blutdrucksenkung angestrebt werden?

Prof. Kääb: Grundsätzlich ist ein anhaltend oder wiederholt gemessener hoher Blutdruck immer behandlungsbedürftig — das gilt auch für ältere Patienten. Wichtig ist, dass das Behandlungskonzept individuell abgestimmt ist. Darüber hinaus müssen vor allem jüngere Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko oder schon manifester kardiovaskulärer Erkrankung konsequent und intensiv behandelt werden.

Was kann man tun, wenn sich ein zu hoher Blutdruck trotz aller Bemühungen nicht zufriedenstellend senken lässt?

Prof. Kääb: Der sogenannte »therapie­refraktäre« Bluthochdruck ist tatsächlich extrem selten. Wenn der Blutdruck nicht oder nur unzureichend eingestellt werden kann, empfehle ich die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum. Häufig kann auch bei einer schwierigen Blutdruckeinstellung durch eine sinnvolle Ausschöpfung von Lebensstiländerungen, medikamentöser (Kombinations-)Therapie und gegebenenfalls einer interventionellen Therapie — das sind innovative Therapieverfahren, die allerdings teilweise noch in der klinischen Erprobung sind — auf Dauer ein zufriedenstellender Behandlungserfolg erzielt werden.

Wie gefährlich ist eine Blutdruckkrise?

Prof. Kääb: Wenn der Blutdruck plötzlich auf Werte von über 220 / 120 mmHg ansteigt, sprechen Ärzte von einer Blutdruckkrise. Das Beschwerdebild reicht von klinischer Unauffälligkeit über Hitzegefühl (»roter Kopf«), Kopfschmerzen, »Herzklopfen«, Brustschmerzen, Luftnot, Schwindel bis hin zu neurologischen Beschwerden, die an einen Schlaganfall denken lassen. Eine Blutdruckkrise ist in jedem Fall eine ernste klinische Situation, die eine rasche ärztliche Kontrolle und Therapie erfordert. Je nach Beschwerdebild und vorbestehender Herz- oder Gefäßerkrankung ist gegebenenfalls die Behandlung durch einen Notarzt und eine weitere stationäre Überwachung erforderlich. Bei Patienten mit bekannter und behandelter arterieller Hypertonie kann eine Blutdruckkrise unter Umständen durch die Einnahme zusätzlicher Medikamente (mit dem behandelnden Arzt vorab abgesprochen) frühzeitig abgefangen und behandelt werden, bevor Symptome auftreten.Bei wiederholtem Auftreten von Blutdruckkrisen ist eine sorgfältige Untersuchung des Bluts und des Urins auf eine hormonelle Ursache der Blutdruckkrisen notwendig, um z. B. ein Phäochromozytom oder ein Karzinoid-Syndrom auszuschließen.

Die Ergebnisse der SPRINT-Studie haben hierzulande eine Diskussion darüber entfacht, ob die aktuellen Leitlinien erneut geändert werden müssen. Wie bewerten Sie das Ergebnis der SPRINT-Studie?

Prof. Kääb: Die Ergebnisse der SPRINT-Studie belegen in eindrucksvoller Weise, dass eine konsequente Blutdrucksenkung möglich ist und dass die Senkung deutlich unter die aktuelle Empfehlung von 140 mmHg zumindest für die in der Studie untersuchte Patientengruppe einen deutlichen Überlebensvorteil bringt. Zugleich zeigt die SPRINT-Studie — wie auch andere Studien — und große Register zur Blutdrucktherapie: Das Therapieziel sollten in der Regel Werte zwischen 120 und 130 mmHg sein, eine Blutdrucksenkung unter Werte von 120 mmHg ­systolisch kann allerdings ungünstig sein. Zudem sollte eine Blutdrucksenkung auch bei älteren Patienten konsequent durchgeführt werden. Und: Für die Behandlungsstrategie und Therapieziele der Patienten spielen die Begleiterkrankungen wie eine manifeste Herz-Kreislauf-Erkrankung, Schlaganfall oder Diabetes mellitus eine große Rolle.

Zur Person

Prof. Dr. Stefan Kääb ist Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Klinikum der LMU. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Therapie von Herzrhythmusstörungen sowie in der Ursachenforschung in Bezug auf seltene ­familiäre ­Arrhythmieerkrankungen und plötz­lichen Herztod.

Nähere Infos unter:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Medizinische-Klinik-und-Poliklinik-I/de/index.html

 

Foto: Beurer GmbH
Illustration: fotolia.com (Dariusz T. Oskovicz)

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