Bescheid wissen. Gesund bleiben.

Diabetes, Asthma und KHK

Eine chronische Erkrankung ist kein Grund, auf Reisen zu verzichten. Im Gegenteil: Für einige Tage oder Wochen die täglichen Pflichten ruhen zu lassen und in einer anderen Umgebung neue Kraft zu schöpfen, steigert nicht nur das seelische, sondern auch das körperliche Wohlbefinden. Wichtig ist, dass Sie Ihren Urlaub gut planen. Wenn Sie sich sorgfältig vorbereiten, stehen Ihnen nahezu alle Regionen der Welt offen.

von Dr. Nina Schreiber

Reisen mit Diabetes mellitus

Wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Reise ist ein gut eingestellter, stabiler Blutzucker. Deshalb ist es ratsam, wenn Diabetiker sich bereits im Vorfeld Gedanken machen, ob sie ihre Ferien eher in Richtung Erholungs- oder Aktivurlaub verbringen möchten. Grundsätzlich gilt: Vermehrte Bewegung, etwa Schwimmen oder Bergwandern, führt im Allgemeinen zu einer Verminderung des Insulinbedarfs. Umgekehrt kann der Insulinbedarf eines sportlich aktiven Menschen, der im Urlaub auf sein gewohntes Training verzichtet, vorübergehend steigen. Dies kann dazu führen, dass er zur Normalisierung seines Blutzuckerspiegels kurzzeitig eine höhere Dosis an blutzuckersenkenden Medikamenten benötigt. Wird der Tagesrhythmus im Urlaub – etwa durch andere Schlafens- und / oder Essenszeiten, durch Klimawechsel oder Zeitverschiebung – deutlich von dem des Alltags abweichen? Ändert sich die Zusammensetzung der Ernährung? All dies kann dazu beitragen, dass der Blutzuckerspiegel stärkeren Schwankungen unterliegt als sonst.

Derartige Abweichungen der Blutzuckerwerte vom Zielpunkt müssen rechtzeitig erkannt und notfalls mit geeigneten Maßnahmen ausgeglichen werden. Dazu ist es wichtig, dass der Blutzuckerspiegel regelmäßig – und vor allem in den ersten Tagen häufiger als sonst – kontrolliert wird. Dies setzt voraus, dass Sie alle wichtigen Utensilien (Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Traubenzucker, blutzuckersenkende Medikamente oder Insulin in ausreichender Menge) mit sich führen – zumal diese nicht in jedem Urlaubsland problemlos erhältlich sind.

Weitsicht ist auch bei den Vorbereitungen für die Hin- und Rückreise geboten. So können bereits starke Emotionen, etwa Flugangst, zu einem Anstieg des Blutzuckers führen. Dies sollten man bei der Planung ebenso berücksichtigen wie z. B. mögliche Abweichungen von Abfahrts- oder Ankunftsterminen während der Hin- bzw. Rückreise. Gerade Diabetiker, die auf Medikamente oder Insulin angewiesen sind, sollten auch dann in der Lage sein, zu hohe bzw. zu niedrige Werte selbst auszugleichen, wenn unvorhergesehene Situationen, etwa eine spätere Ankunft, eintreten. Alle notwendigen Medikamente und Utensilien sollten also in ausreichender Menge griffbereit zur Verfügung stehen. Diabetiker sollten diese ebenso wie ihren Diabetikerausweis während eines Flugs im Handgepäck mitführen (wegen der veränderten Sicherheitsbedingungen Glukagonsets nur in der ungeöffneten Originalverpackung, Spritzen, Insulinpumpen oder Lanzetten mit Original-Etikett des Herstellers). Vorsichtshalber sollte man zudem ein ärztliches Attest bereit halten, das bestätigt, dass die Utensilien benötigt werden.

Wichtig ist auch, die Diabetiker-Reiseapotheke gut geschützt vor Hitze, Kälte und Feuchtigkeit aufzubewahren. Hohe Luftfeuchtigkeit kann einem Blutzucker-Messgerät und den Testreifen schaden, und es kann zu Messfehlern kommen. Blutzuckersenkende Medikamente und Insulin dürfen nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt oder in einem heißen Auto (z. B. im Handschuhfach) aufbewahrt werden, da sie sonst ihre Wirkung einbüßen. Vor allem Insulin verträgt weder Hitze noch Frost. Wer sein Insulin in einer Kühltasche aufbewahrt, sollte unbedingt darauf achten, es nicht direkt auf oder neben die Kühlelemente zu legen. Im Handel sind spezielle Kühltaschen in verschiedenen Größen erhältlich, die eine kühle Lagerung von Insulin ohne Kühlaggregate über mehrere Stunden hinweg ermöglichen. Ebenso eignen sich spezielle Behältnisse aus Styropor für die Aufbewahrung und den sicheren Transport von Insulin. Alternativ kann man das Insulin in feuchte Tücher und anschließend in eine Plastiktüte wickeln. Auch eine Thermoskanne ist dazu geeignet.

Reisen mit Asthma

Auf Reisen wird man häufig mit ungewohnten Situationen konfrontiert: Ob Klimawechsel, Zeitverschiebung oder eine andere Zusammensetzung der Ernährung – die Bedingungen im Urlaub weichen oft erheblich von denen des Alltaglebens ab. Je nachdem, welche Form von Asthma besteht bzw. welche Reizstoffe oder Situationen einen Asthmaanfall hervorrufen können, ist es wichtig, diesen Veränderungen besondere Beachtung zu schenken, bevor sich Asthmakranke für ein Urlaubsziel entscheiden. Wer z. B. an einer Pollenallergie leidet, sollte eine Gegend wählen, in der die auslösenden Pollen zur Zeit des Urlaubsantritts bereits nicht mehr fliegen oder vegetationsbedingt gar nicht erst vorkommen. Ideal sind z. B. pollenarme Regionen im Hochgebirge oder an der Küste. Pollenkalender helfen, die durchschnittliche Pollenbelastung des Reiseziels einzuschätzen.

Auch für Hausstaubmilben-Allergiker ist das trockene Gebirgsklima ideal: Ab einer Höhe von etwa 1500 Metern existieren praktisch keine Hausstaubmilben mehr. Vorsicht ist vor Sommeraufenthalten in Ferienhäusern oder -appartments in feuchtem, kühlem Klima geboten, da diese mit einer erhöhten Milbenbelastung verbunden sein können. Gleiches gilt für Aufenthalte in Hotels: Sogar in Hotels der Spitzenklasse können in Bodenbelägen und Hotelbetten Hausstaubmilben und Schimmelpilze vorkommen. Wenn möglich, sollten Patienten mit einer Allergie gegen Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare Hotels den Vorzug geben, die über ein »Allergikerzimmer« verfügen. Insbesondere für Personen mit Infektasthma kann der häufige Wechsel zwischen hohen Außentemperaturen und kühlen, klimatisierten Räumen problematisch sein. Hinzu kommt, dass Klimaanlagen, insbesondere, wenn die Filter nicht regelmäßig gereinigt werden, nicht nur gleichmäßig die Luft, sondern auch in ihr enthaltene Krankheitserreger oder Tabakrauch verteilen. Damit erhöht sich die Gefahr, einen (grippalen) Infekt zu erleiden bzw. unfreiwillig dem Reizstoff Zigarettenrauch ausgesetzt zu sein!

Für alle Asthmapatienten gilt, dass Gebiete mit einer starken Luftverschmutzung bzw. einer hohen Ozonbelastung, wie sie z.B. für einige Großstädte typisch sind, eher gemieden werden sollten. Derartige Luftschadstoffe steigern die Überempfindlichkeit der Bronchien und lösen nicht selten Asthmaanfälle aus. Ebenso wenig sind sehr feuchte Hitze (tropische Regionen oder Regenwald) oder extrem trockene Hitze (z. B. Wüste oder Savanne), aber auch sehr kalte Luft für Asthmakranke geeignet.

Falls bestimmte Nahrungsmittel oder Insekten eine allergische Reaktion verursachen, sollten man die erforderlichen Notfallmedikamente immer bei sich tragen. Überhaupt sollten Asthmatiker bei der Zusammenstellung ihrer Reiseapotheke besondere Sorgfalt walten lassen. Wichtig ist, dass die Medikamente in ausreichender Menge und gut geschützt vor Hitze, Kälte und Feuchtigkeit aufbewahrt werden. Während der Hin- und Rückreise sollte ein Großteil der Basis- und Notfallmedikamente grundsätzlich im Handgepäck mitgeführt werden.

Vor allem aber ist es wichtig, dass Asthmakranke auch im Urlaub regelmäßig Peakflow-Messungen durchführen und diese anschließend dokumentieren. So können sie gegebenenfalls frühzeitig eine Verschlechterung ihrer Atemleistung erkennen und dieser dann notfalls mit geeigneten Maßnahmen begegnen.

Reisen mit KHK

Im Prinzip stehen stabilen Herz-Kreislauf-Patienten fast alle Länder der Welt offen. Generell gilt allerdings: Regionen mit feucht-heißem bzw. tropischem Klima belasten den Kreislauf stärker und können zu Herzproblemen führen – dies gilt vor allem für Personen, die gleichzeitig unter Bluthochdruck und einer Herzkrankheit leiden. Ebenso ist das Hochgebirgsklima (über 2000 m) für Herzkranke nicht ideal.

Vor der Reise bietet es sich an, einen Check-up und einen Belastungstest vornehmen zu lassen – dies gilt besonders für Personen, die während des Urlaubs auf körperliche Aktivität nicht verzichten wollen. Wenn Medikamente gegen Bluthochdruck eingenommen werden, sollte vorab mit dem Arzt besprochen werden, ob gegebenenfalls die Dosis reduziert werden muss. Weil sich bei hohen Temperaturen die Blutgefäße erweitern, kann im heißen Klima der Blutdruck zu niedrigeren Werten tendieren, was dann in Kombination mit blutdrucksenkenden Medikamenten zu unerwünscht tiefen Werten führen kann. Beim Arzt erfährt man auch, ob die Wirkstoffe der Herzmedikamente dafür bekannt sind, dass sie die Haut gegenüber Sonnenstrahlen sensibilisieren.

Am Urlaubsziel angekommen, gilt es erst einmal, dem Körper Zeit zum Akklimatisieren zu lassen. Verzichten sollte man in den ersten Tagen unbedingt auf ungewohnte körperliche Belastungen. Es versteht sich von selbst, dass man sich während der Mittagshitze nicht in der prallen Sonne aufhalten und grundsätzlich auf sportliche Aktivität verzichten sollte!

Ess- und Trinkgewohnheiten sollten den Temperaturen angepasst werden: Nehmen Sie lieber viele kleine als wenige große Mahlzeiten zu sich, und achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Patienten mit Herzschwäche sprechen am besten mit ihrem Arzt darüber, ob sie die Flüssigkeitszufuhr steigern sollen.

Darauf sollten sie achten

  • Auch wenn Sie Ihre Beschwerden genau kennen und diese sich über einen längeren Zeitraum nicht verschlechtert haben, sollten Sie Ihre Reiseabsichten unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Er kann Ihnen raten, ob Sie Reiseziel und Reisezeitpunkt gut gewählt haben und ob auch die klimatischen Bedingungen der favorisierten Urlaubsregion für Sie geeignet sind.
  • Wenn Sie eine Reise ins Ausland planen: Ist Ihr Impfschutz ausreichend? Ihre Reiseapotheke sollte außerdem Pflaster, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Schere, Pinzette, ein Fieberthermometer sowie Mittel gegen Fieber, Schmerzen, Durchfall und Erbrechen enthalten.
  • Tragen Sie unbedingt eine Kopfbedeckung, wenn Sie sich in der Sonne aufhalten. Ausreichend Schutz vor einem Sonnenbrand bieten Sonnencremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor.
  • Vor allem wenn es sehr warm ist, sollten Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag und mehr trinken, am besten ungesüßte Kräutertees, Fruchtschorlen oder Mineralwasser. Abzuraten ist von Alkohol.

 

Bildnachweis: Fotolia (Kurhan)

 

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