Bescheid wissen. Gesund bleiben.

Die Augen schließen, den Duft einatmen, die Hände an der Tasse wärmen – und dann den ersten Schluck genießen. Tee ist das ­Wintergetränk schlechthin – ­Heilmittel und ­Genussmittel zugleich. Und die Teezeremonie gibt uns zudem Gelegenheit zum Abschalten.

Von Franziska Bertini

Blätter des Lebens« – so nannte die Äbtissin und bekannteste mittelalterliche Heilerin Hildegard von Bingen diejenigen Kräuter, die sich für die Teezubereitung eigneten. Viele unserer heutigen Heiltees waren schon im Mittelalter bekannt, beispielsweise:

• Kamille wirkt entzündungs­hem­mend. Der Allrounder hat sich u.a. bei Halsweh und Magenbeschwerden bewährt.
• Holunderblüte wirkt schweiß­treibend. Holunderblütentee ist ein Klassiker bei fiebrigen Erkältungskrankheiten.
• Frauenmantel wirkt krampf­lösend. Das Frauenkraut wird u. a. gegen Frauenbeschwerden, aber auch zur Wundheilung eingesetzt.
• Fenchel wirkt entblähend. Fencheltee ist ein sanftes Mittel bei Blä­hungen, insbesondere auch bei Kindern.
• Hopfen und Baldrian wirken beruhigend. Sie helfen u. a. bei Schlafstörungen
• Wermut und Benediktenkraut wirken appetitanregend. Die Bitterkräuter sind eine gute Wahl bei Appetitlosigkeit und Magenproblemen.
• Johanniskraut wirkt antide­pres­siv. Hypericum wird ge­gen Stimmungstiefs, vor allem gegen den Winterblues eingesetzt.

Grüner Tee

In der alten chinesischen und japanischen Literatur ist die erstaunliche Wirkung von Tee – gemeint ist dabei immer grüner Tee – oft beschrieben worden. Doch worin liegt diese Wirkung? Ein Grund: Grüner Tee wird schonend hergestellt, d. h., er wird im Gegensatz zu Schwarz­tee nicht fermentiert. Deshalb bleiben viele Inhaltsstoffe der Teepflanze erhalten, die sich beim Schwarztee verflüchtigen.

Wissenschaftliche Untersuchungen brachten es an den Tag: Grüner Tee enthält viele lebenswichtige Mineralien und Spurenelemente, ebenso die Vitamine A, C und E sowie verschiedene B-Vitamine. Eine dritte Inhaltsgruppe sind die sekundären Pflanzenwirkstoffe, darunter das Koffein (das im Grüntee nicht erregend, sondern anregend wirkt und auch magenfreundlich ist), Bitterstoffe, Gerbstoffe und Polyphenole, insbesondere die Catechine, die ein hohes antioxidatives Potenzial besitzen.

Von den Polyphenolen hat vor allem ein Stoff von sich reden gemacht: das Epigallocatechin-3-Gallat, kurz EGCG. Es besitzt ähnliche blut­gerinnungshemmende Eigenschaften, wie etwa Aspirin, und beugt damit ­Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Es scheint – zumindest im Tierversuch – vorbeugend gegen Lungenkrebs zu wirken. EGCG kann Karies verhindern, indem es eine bestimmte Bakterienart eliminiert. Es »verklumpt« Viren und kann sogar erhöhte Blutzuckerwerte senken. Noch längst sind nicht alle Wirkstoffe des grünen Tees analysiert. Doch Wissenschaftler sind schon jetzt begeistert über die Geheimnisse, die sich ihnen allmählich zu enthüllen beginnen.

Was steckt im Tee?

Einige Stoffe, etwa Flavonoide, ätherische Öle, Bitterstoffe und Gerbstoffe, sind in allen Tees enthalten. Andere dagegen gibt es nur in bestimmten Teesorten, meist in Kräutertees:

• Koffein (Tein): Das Alkaloid steckt in geringen Mengen auch im Tee. Es ist der anregend wirkende Bestandteil des Genussmittels.
• Flavonoide: Sie gehören zu den bioaktiven Stoffen und wirken günstig auf Blutdruck, Gefäße und Cholesterinspiegel.
• Ätherische Öle: Sie machen den charakteristischen Geruch aus und wirken krampflösend, antiseptisch oder stärkend bzw. entspannend.
• Bitterstoffe: Sie regen die Speichelsekretion an und fördern damit die Verdauung. Auch wirken sie allgemein regenerierend.
• Gerbstoffe: Sie wirken zusammenziehend und lindern Entzündungen.
• EGCG: Epigallocatechin-3-Gallat ist eine spezielle Substanz von Grüntee. Sie verbessert die Fließeigenschaften des Bluts, reguliert Blutzuckerwerte und soll sogar eine Krebs hemmende Wirkung besitzen.
• Hypericin und Hyperforin: Dies sind die Hauptwirkstoffe im Johanniskraut. Sie wirken antidepressiv.
• Lupulon und Humulon: Die beiden speziellen Bitterstoffe des Hopfens wirken beruhigend und schlaffördernd.

Gewusst wie – die richtige Teezubereitung

Im ganzen asiatischen Raum gehört grüner Tee zum Alltag. Er ist nicht nur ein Stimulans zur Leistungssteigerung, sondern das Getränk schlechthin, das auch ganz normal zum Essen getrunken wird. Doch ob Sie grünen Tee zum Frühstück, zu einem asiatischen Gericht aus dem Wok, als »Kaffeeersatz« am Nachmittag, einfach tagsüber oder in einer bewusst genossenen Teezeremonie trinken – wichtig ist die richtige Zubereitung. Das Wasser für den Tee wird zunächst aufgekocht; dann lässt man es auf etwa 70 bis 80 °C abkühlen (Deckel des Wassertopfs öffnen und erst nach etwa fünf Minuten Tee angießen). Zu heißes Wasser macht den Tee bitter bis ungenießbar. Bei zu kaltem Wasser (unter 50 °C) lösen sich die Inhaltsstoffe im Aufguss nicht. Chinesischer Tee braucht ca. drei bis vier Minuten zum Ziehen, japanischer nur ein bis zwei Minuten.

Je nach Qualität können Sie den Tee bis zu viermal aufgießen. Liebhaber gießen die Teeblätter kurz an und schütten dann den ers­ten, noch relativ »bitteren« Aufguss weg. Der zweite Aufguss enthält weniger »bittere« Stoffe und übrigens auch weniger Koffein.

Von »Drachenbrunnen« über Matcha bis »Jadegrün«

Probieren Sie sich durch! Als »Einsteiger« sollten Sie nicht gleich zur teuersten Teesorte greifen, aber auch nicht zur billigsten. Qualität erkennt man am intensiven Grün der Blätter. Tees mit braunen Blättern sollten Sie links liegen lassen. Unterschiedliche Blattgrößen (Blattgrade) sind kein direktes Qualitätsmerkmal.

Purer Luxus: Teerosen. Sie bestehen aus bis zu 100 Teeblattspitzen, die mit einem Faden zu einer Rosette gebunden sind. Auch First Flush ist etwas für Genießer: Der hochwertige Tee enthält nur die zarten jungen Blätter der Strauchspitzen und besitzt eine sanfte, liebliche ­Geschmacksnote. First-Flush-Tees sind Premiumprodukte und deshalb nicht ganz billig. Der chinesische Oolong ist ein halbfermentierter Tee mit einer Fermentationszeit zwischen grünem und schwarzem Tee. Der »rote« Pu-Erh-Tee ist ursprünglich ein Grüntee, der danach eine spezielle Reifung durchläuft.

Es braucht etwas Gewöhnung – doch mit der Zeit werden Sie die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten herausschmecken und bestimmt Ihren Lieblingstee finden.

Qualität muss sein

Leider verbreiten sich immer mehr bedenk­liche Nachrichten über unsere Lebensmittel. Tee macht hier keine Ausnahme. In vielen Teesorten wurden Pestizid­rück­stände nachgewiesen. Wenn Sie sichergehen wollen: Kaufen Sie ökologisch. Für Heil­kräutertees ist der Kauf in der Apotheke die beste Empfehlung. Hier wird ein gleich bleibender Wirkstoffgehalt garantiert.

Rezept: Würzig-aromatisch und wärmend

Jetzt, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, hat die Teesaison Hochkonjunktur. Die Protagonisten: Früchte wie Orange, Hagebutte, Apfelstücke oder Hibiskus und aromatische Gewürze, allen voran Zimt, Nelke und Ingwer. Schwarzer Tee oder Roibuschtee und immer häufiger auch Grüner Tee bilden die Basis. Damit setzt das spezielle Teeangebot in der Wintersaison etwas andere Akzente als in den übrigen Jahreszeiten: Von fruchtig bis würzig, von mild bis süß, von Lebkuchen-, Spekulatius-, Mandel-, Vanille-, Rotwein- oder Punschgeschmack sind die verschiedenen Teemischungen ganz wesentlich auch von den Düften und Geschmacksvorlieben der ­Advents- und Weihnachtszeit inspiriert.

Wintertee: Gewürz‐Punsch

Zutaten für 4 Gläser:
1 Stück frischer Ingwer (3 cm)
   1 TL Kardamomkapseln
1 TL Nelken
2 kleine Zimtstangen  
2 Sternanis  
1 EL Assam‐Tee (oder 2 Teebeutel)
900 ml Wasser  
4 TL brauner Kandis  
zum Dekorieren:     
4 lange Zimtstangen

Zubereitung:
Den Ingwer schälen und kleinschneiden. Zusammen mit dem Kardamom, den Nelken, den kleinen Zimtstangen und dem Sternanis in 900 ml Wasser 5 Minuten köcheln lassen. Durchsieben, den Sud dabei auffangen, erneut aufkochen und  den Tee damit aufgießen. 3 Minuten ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und den Gewürz‐Punsch auffangen. Mit dem Kandis in Gläser füllen. Die langen Zimtstangen in die Gläser geben und sofort servieren.
Zubereitungszeit: ca. 15 Minuten
Quelle: www.teeverband.de 

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