Blockierte Lebensenergie

    Strategien gegen die Angst

    Ängste gehören zum Leben. Doch sie können außer Kontrolle geraten und uns dann erheblich zu schaffen machen. Sich ihnen zu stellen ist jedoch besser als ihnen auszuweichen: So schafft man die besten Voraussetzungen, Ängste zu überwinden. können außer Kontrolle geraten und uns dann erheblich zu schaffen machen. Sich ihnen zu stellen ist jedoch besser als ihnen auszuweichen: So schafft man die besten Voraussetzungen, Ängste zu überwinden. 

    Von Sabine Jansen

    Mit Angst auf eine bestimmte Situation rea­gieren zu können, ist dem Menschen angeboren: Wie ein Alarmsystem wirkt sie in unserem Körper, sodass wir bei einer Gefahr bereit sind für Kampf, Flucht oder Stillstand. Dabei unterstützt die Angst zum einen unsere körperliche Leistungsfähigkeit (die Pupillen weiten sich, das Herz schlägt schneller, die Atmung wird schneller, es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet) und sorgt zum anderen dafür, dass wir eine Bedrohung erkennen und angemessen auf sie reagieren können. Nach überstandener Gefahr klingt die Angstreaktion wieder ab und Entspannung stellt sich ein. Diese Form der Angst nennen die Psychologen auch »Zustandsangst« (state anxiety): ein vorübergehendes Gefühl auf eine reale Gefahr, das von selbst wieder verschwindet. Mit Angst auf eine bestimmte Situation rea­gieren zu können, ist dem Menschen angeboren: Wie ein Alarmsystem wirkt sie in unserem Körper, sodass wir bei einer Gefahr bereit sind für Kampf, Flucht oder Stillstand. Dabei unterstützt die Angst zum einen unsere körperliche Leistungsfähigkeit (die Pupillen weiten sich, das Herz schlägt schneller, die Atmung wird schneller, es werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet) und sorgt zum anderen dafür, dass wir eine Bedrohung erkennen und angemessen auf sie reagieren können. Nach überstandener Gefahr klingt die Angstreaktion wieder ab und Entspannung stellt sich ein. Diese Form der Angst nennen die Psychologen auch »Zustandsangst« (state anxiety): ein vorübergehendes Gefühl auf eine reale Gefahr, das von selbst wieder verschwindet. 

    So wichtig dieses Alarmsystem für uns ist, so anfällig ist es jedoch auch für Störungen. Dann kann sich die Angst z. B. in Panik steigern, sodass wir keinen klaren Gedanken mehr fassen und mit einer Situation nicht mehr adäquat umgehen können. Oder wir bekommen Angst, obwohl gar keine akute Gefährdung besteht. Für diese auch als »trait anxiety« bezeichnete Form der Angst ist kennzeichnend, dass Situationen als bedrohlich empfunden werden, ohne dass dafür ein objektiver Grund besteht.

    Manche sind ängstlicher als andere

    Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Angstniveau. Manche Menschen reagieren insgesamt ängstlicher auf Herausforderungen und Veränderungen. Aber auch vermeintlich harmlose Situationen können unterschiedlich erlebt werden. So kann z. B. der Blick in die Tiefe – von einem Aussichtsturm, der Dachterrasse oder einer Brücke – bei dem einen Panikgefühle bis hin zu schweren körperlichen Beschwerden auslösen, während ein anderer entspannt die Aussicht genießt. Die Angst vorm Fliegen, vor Spinnen, dem Betreten eines Aufzugs, dem Zahnarztbesuch, vor Menschenansammlungen, aber auch vorübergehende Angstgefühle in Phasen starker seelischer Belastung – selbst Menschen, die ansonsten eher mutig und selbstbewusst durchs Leben gehen, sind nicht gänzlich dagegen gefeit.  Manchmal werden Ängste durch traumatische Erlebnisse ausgelöst: Dann werden plötzlich Situationen für uns gefährlich, die uns vorher harmlos erschienen sind, weil wir permanent mit einer Wiederholung dieser schrecklichen Erfahrung rechnen. Oder Ereignisse, die wir noch gar nicht erlebt haben, rufen Ängste in uns wach. So haben viele Menschen Angst vor Krankheiten, dem Alter, einem Unfall, dem Verlust eines geliebten Menschen oder dem Tod – und manchmal ist sie so groß, dass kein sachliches Argument die Angst mildern kann.

    Isolation durch Angst

    Angst entsteht schließlich auch, wenn wir glauben, unser Ansehen, unser Status oder unser Selbstwertgefühl werden bedroht. Die Angst davor, jemanden um etwas zu bitten oder abgelehnt zu werden, oder die Furcht, bei einer Bewertung seiner Leistung schlecht abzuschneiden, treibt manche Menschen dazu, sich von ihrer Umwelt immer mehr zurückzuziehen oder Prüfungssituationen grundsätzlich zu vermeiden. Diese und viele ähnliche Strategien zur Umgehung von angstauslösenden Situationen hindern uns an der Entfaltung unserer Persönlichkeit: Sie machen uns unfrei.

    Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?

    Spätestens dann, wenn man spürt, dass sich Ängste in immer mehr Lebensbereichen zeigen oder man das Gefühl hat, der Angst ohnmächtig ausgeliefert zu sein, muss an eine Angststörung gedacht werden. Typische Merkmale: Die Angst hat sich verselbständigt und wird zum bestimmenden Moment der Gefühlswelt, sie hält Einzug in den Alltag und schränkt so zunehmend die eigene Handlungsfähigkeit ein. Meist gesellt sich dann auch noch die »Angst vor der Angst« (Erwartungsangst) hinzu, was dazu führt, dass angstauslösende Orte und S­­itua­tionen noch strikter gemieden werden.In diesem Fall bedarf es der Hilfe eines Psychotherapeuten, um das Angstmuster zu überwinden. Von einer Psychotherapie profitieren auch Menschen, die immer wieder von Panikattacken heimgesucht werden, oder die unter einer Form der Angst leiden, die die Psychologen als generalisierte Angststörung bezeichnen: Anspannung und Besorgtheit sind zum ständigen Begleiter geworden, und zwar unabhängig von konkreten Situationen oder Objekten. Wovor sie genau Angst haben, können die Betroffenen meist nicht sagen, jedoch sind sie kaum mehr in der Lage, ihre Sorgen zu kontrollieren.    

    Wie entsteht Angst?

    Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es bestimmte Situationen, Ereignisse oder Menschen sind, die Ängste hervorrufen. In Wahrheit liegt die Ursache für unsere Ängste in unserem Denken, etwa wenn wir eine bestimmte Situation als bedrohlich empfinden (bewerten) und gleichzeitig das Gefühl haben, dass unsere Fähigkeiten nicht ausreichen, um die Gefahr zu bewältigen. Tatsächlich sind Menschen, die wenig Zutrauen in sich und ihre Fähigkeiten haben, wesentlich häufiger von Ängsten geplagt als Menschen, die ein positives Bild von sich haben.

    Viele Ängste, mit denen wir uns als Erwachsene konfrontiert sehen, haben ihren Ursprung in der Kindheit: So wie wir uns als Kinder in der Bewertung von Situationen und den damit einhergehenden Gefühlsreaktionen und Verhaltensweisen lange Zeit an unseren Eltern orientieren, so lernen wir auch von ihnen, auf bestimmte Situationen ängstlich zu reagieren. Die Mutter, die Höhenangst hat, der Vater, der unter Versagensängsten leidet, die Eltern, die ängstlich reagieren, wenn das Kind nicht pünktlich nach Hause kommt – diese und viele anderen jahrelangen Ängste haben wir irgendwann so sehr verinnerlicht, dass auch wir später in den jeweiligen angstauslösenden Situationen über keine angemessenen Bewältigungsstrategien mehr verfügen. Umgekehrt kann es sein, dass Eltern die Ängste des Kindes bagatellisieren oder es dazu nötigen, sie zu unterdrücken. Auch dies kann dazu führen, dass man in späteren Jahren mit übermäßiger Angst auf Situationen reagiert.

    Verstehen, akzeptieren, auflösen

    Um es gleich vorweg zu sagen: Jeder, der sich bestimmte Einstellungen, Gefühlsreaktionen und Verhaltensmuster angewöhnt hat, kann sie auch wieder verlernen, oder – besser gesagt – er kann umlernen. Dies setzt voraus, dass wir unsere negativen Bewertungen und die sich daraus ergebenden negativen Gefühle als solche erkennen, sie akzeptieren und sich dann mit ihnen ehrlich auseinandersetzen. Machen Sie sich klar, dass Ihr Gefühl keinesfalls ein Beweis für die Gefahr ist. Ihr Gefühl ist nur ein Beweis für Ihr Denken, denn: Erst denken wir, dann fühlen wir.

    Bestandsaufnahme Ihrer Ängste

    Folgende Maßnahmen können bei der Bewältigung Ihrer Ängste helfen: Machen Sie eine Bestandsaufnahme, bei der alle Ihre Ängste berücksichtigt werden. Notieren Sie sich alle Situationen, die unweigerlich Ängste in Ihnen auslösen. Welches ist die Angst, die Sie am meisten quält? Mit welcher Angst kommen Sie noch am ehesten zurecht?Gehen Sie Schritt für Schritt vor, indem Sie sich jede einzelne Angst genau anschauen und sich dann folgende Fragen stellen:

    * Entspricht es den Tatsachen, dass das, was ich als gefährlich einschätze, auch wirklich so gefährlich ist?
    * Wie wahrscheinlich ist es, dass das, wovor ich mich so fürchte, auch tatsächlich eintritt?
    * Was wäre, wenn das von mir als so gefährlich eingeschätzte Ereignis nun einträfe? Wie kann ich damit umgehen? Welche Auswirkungen hätte es direkt, welche auf mein künftiges Leben? 
    * Was passiert schlimmstenfalls, wenn das Ereignis, vor dem ich mich fürchte, eintritt?
    * Welche Möglichkeiten und Mittel verfüge ich, dieses von mir als so gefährlich eingeschätzte Ereignis zu verhindern?
    * Was wäre der Vorteil, wenn sich meine Angst als unbegründet herausstellt?
    Suchen Sie nach einer Lösung. Glauben Sie daran, dass Sie dank Ihrer Fähigkeiten auf jeden Fall eine Möglichkeit finden, mit diesem für Sie schlimmstmöglichen Ereignis fertig zu werden.

    Denken Sie lösungsorientiert

    Da wir normalerweise versuchen, unangenehme Situationen zu vermeiden, wird es zunächst nicht ganz einfach sein zu lernen, die Angst in den Griff zu bekommen. Dennoch: Die Bestandsaufnahme zielt darauf ab, dass Sie sich Ihrer negativen Gefühle annehmen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen, dass Sie lernen, sie auszuhalten und durch sie hindurchzugehen, um sie dann hinter sich zu lassen. Nur wenn wir uns unseren negativen Gefühlen stellen, können wir sie auf Dauer überwinden. Ein bewährter Ansatz ist es, geistig alle möglichen Situationen und ihre positiven bzw. negativen Folgen durchzuspielen. Indem wir wieder und wieder in unserem Kopf die Lösungsmöglichkeiten durchgehen, ändern wir allmählich unsere Einstellung und rufen positive Gefühle in uns wach. Wir lernen unsere Ängste auszuhalten und durch sie hindurchzugehen. Fühlen Sie sich nicht wie befreit, nun über Bewältigungsstrategien zu verfügen, die Angstgefühle überflüssig werden lassen? Denn wer sich seinen Ängsten stellt, wird im Handeln und Entscheiden zunehmend freier.

    Grenzen der Selbstbehandlung

    Die folgenden drei Angststörungen gehören in psychotherapeutische Behandlung. Eine solche kann auch bei der Bewältigung von Ängsten infolge einer schweren Lebenskrise (z. B. Verlust des Partners, Tod eines nahen Angehörigen, Verlust des Arbeitsplatzes) oder von Ängsten infolge einer schweren Erkrankung (z. B. Krebserkrankung) angezeigt sein.n 

    Panikattacken

    Bei einer Panikattacke tritt plötzlich — wie aus heiterem Himmel — eine intensive Angst auf, die sich oft sogar zur Todesangst verdichtet. Zudem sind ausgeprägte körperliche Symptome möglich, so z. B. Herzrasen, Beklemmungsgefühle, starker Druck oder Schmerzen in der Brust, Schwierigkeiten beim Atmen bis hin zur Atemnot, Schwindel, Zittern, Schweißausbrüche, Mundtrockenheit, Kribbeln und Taubheitsgefühle. In den meisten Fällen hält eine Panikattacke etwa zehn bis 30 Minuten an, manchmal kann sie auch einige Stunden dauern.

    Phobien

    Es besteht eine starke unbegründete Angst vor bestimmten Situationen (z. B. Aufenthalt in Menschenmengen, auf öffentlichen Plätzen, bei der Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln) oder Objekten (z. B. Angst vor Tieren, vor tiefem Wasser, vor Aufzügen, vor dem Anblick von Blut). Der Betroffene ist sich zwar bewusst, dass seine Angst eigentlich unangemessen ist, dennoch ist es ihm nicht möglich, sich den Angstauslösern zu stellen, sodass er diese strikt meidet. Insgesamt sind mehr als 250 verschiedene Phobien bekannt.

    Generalisierte Angststörung

    Bei der generalisierten Angststörung bleibt die Angst nicht auf bestimmte Situationen und Objekte begrenzt, sondern sie wird auch durch bestimmte Lebensumstände oder Alltagssituationen hervorgerufen. Anders als etwa eine Phobie, bei der die Angst mit dem Meiden oder Verschwinden des Auslösers umgehend nachlässt, ist die Angst bei dieser Form der Angststörung praktisch allgegenwärtig und bestimmt den Alltag, der dann nicht mehr adäquat bewältigt werden kann.

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