Kleiner Eingriff - große Wirkung

    Mini-Stents gegen einen erhöhten Augeninnendruck

    Schmerzlos, schleichend und mit der Angst vor Sehverlust verbunden: In Deutschland leiden etwa 800 000 Menschen an einem Glaukom (Grüner Star) - bei ihnen ist der Innendruck im Auge krankhaft erhöht. Für die meisten Betroffenen bedeutete dies bislang, für den Rest ihres Lebens auf Medikamente angewiesen zu sein.

    Das hat sich geändert: Mithilfe eines Mikroimplantats, dem iStent inject, lässt sich der Augeninnendruck so nachhaltig senken, dass oftmals auf die belastende Tropfentherapie verzichtet werden kann.

    von Dr. Nina Schreiber

    Der Münchner Udo Stuckmann ist offen, wissbegierig und humorvoll. Langeweile als Rentner? Fehlanzeige! Der 81-Jährige war früher in der Telekommunikation tätig und ist vielseitig interessiert: Er liest gern, engagiert sich in einer Stiftung und fährt gern Rad. Die Diagnose »Glaukom« trifft ihn unerwartet. Das Erschreckende: Zwar wird ihm der erhöhte Augeninnendruck (Intraokulardruck, IOD) von 29 mmHg mitgeteilt – die Grenze zwischen normalem und erhöhtem IOD liegt bei etwa 21 mmHg. Was genau der Wert bedeutet, erklärt ihm jedoch niemand. Erst in einer anderen Praxis erfährt er, dass in seinen Augen mehr Kammerwasser gebildet wird als abfließen kann – dies verursacht den erhöhten IOD. Um die Schädigung von Sinneszellen zu verhindern, muss eine Drucksenkung erfolgen. Er erkennt: Wie seine Mutter vor ihm, ist auch er nun einer der rund 800 000 deutschen Glaukompatienten.

    Auf die Diagnose folgen zahlreiche Tropfentherapien. Im Urlaub steht Udo Stuckmann ohne Tropfen da, weil sein Reisegepäck abhanden gekommen ist, er muss die Tropfen wechseln und leidet an roten Augen. Wenn er an die Zeit zurückdenkt, sagt er: »Tropfen waren ein Müdemacher.« Aus diesen Gründen entscheidet er sich nach eingehender Beratung mit seinem Münchner Arzt Prof. Michael Koss vom Augenzentrum Nymphenburger Höfe für eine innovative Behandlungsmethode mit Mini-Stents aus Titan.

    »Es klappt nicht gut, sondern ausgezeichnet!«

    Angst vor dem ambulanten Eingriff hat Udo Stuckmann keine, zumal er seinem Arzt vollkommen vertraut. Nicht ohne Grund, denn Prof. Koss setzt die Stents regelmäßig ein und behandelt seit mehr als drei Jahren Glaukompatienten mit dem Verfahren. 

    Die winzigen Stents (Durchmesser: 0,3 mm; Länge: 0,4 mm) sollen einen schnellen Durchstrom von Flüssigkeit bewirken. Das Implantat stellt eine Verbindung zwischen der vorderen Augenkammer und dem natürlichen Abflussweg des Kammerwassers her – was zu einer sig­nifikanten Senkung des Augeninnendrucks führen kann.Bei Herrn Stuckmann werden beide Augen nacheinander operiert. Schmerzen hat er zu keinem Zeitpunkt. Praktisch: Da der Rentner auch an einer Katarakt (»Grauer Star«) leidet, konnten die Stents in Verbindung mit einer Katarakt-Operation eingesetzt werden. Die operative Herausforderdung beim Einsetzen der Stents bewertet Prof. Koss als durchaus anspruchsvoll. Er erklärt: »Man muss sich eingehend damit beschäftigen. Es gibt definitiv eine Lernkurve. Ich denke aber, wenn man die Technik beherrscht und gut selektiert, dann ist es eine sehr schöne Sache für die entsprechende Patientengruppe.« Einer, der hiervon profitiert hat, ist Herr Stuckmann. Auf die Frage, was er sich von den Stents erhofft hat, antwortet er: »Dass ich keine Tropfen mehr brauche, mein Augendruck wieder normal ist und ich keine Angst mehr vor einer Erblindung haben muss – alles ist eingetreten. Es klappt nicht gut, sondern ausgezeichnet.« Mit dem Behandlungsverlauf seines Patienten ist auch Prof. Koss zufrieden: »Bei ihm haben wir wirklich eine außerordentlich schöne Drucksenkung erreicht.« Seiner Einschätzung nach ist das Verfahren für Patienten geeignet, die eine anatomisch passende Kammerwinkelstruktur besitzen und an einem milden bis moderaten Glaukom leiden. 

    Sicher und gut verträglich

    Einen Vorteil des Stents sieht er darin, dass die notwendige Therapietreue beim Tropfen wegfällt: »Wenn es uns gelingt, die Tropfengabe zu minimieren oder gar zu eliminieren, dann muss der Patient nicht mehr daran denken, ordentlich zu tropfen.« Den Stent als solches bewertet er als sehr gut verträglich und führt an, dass es sich um ein sehr sicheres Verfahren handelt, wenn der Operateur es beherrscht. Lobend hebt er hervor, dass der iStent inject »die am besten dokumentierte und publizierte Datenlage besitzt«.Auch eine aktuelle Studie liefert überzeugende Daten zur Drucksenkung: 66 Prozent der Patienten hatten auch nach zwölf Monaten einen dauerhaft gesenkten Augeninnendruck von unter 18 mmHg ohne Medikamente.

    Bildnachweis

    Urheber: Glaukos® Corporation

     

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