Corona-Pandemie, Folge 5, Dezember 2020

    Nur ein Labortest erkennt sicher, ob man an COVID-19 erkrankt ist. Deshalb gehören Corona-Tests zu den Eckpfeilern der Pandemiebekämpfung. Doch wann genau macht es Sinn, sich testen zu lassen? Ist ein Antigen-Schnelltest genauso aussagekräftig wie ein PCR-Test? Und welche Folgen hat ein positives Ergebnis? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

    Corona-Test – das sollten Sie wissen

     Von Dr. Nicole Schaenzler

    * Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Test?

    Hat eine Infektion mit dem Coronavirus stattgefunden, vermehrt sich der Erreger in den Zellen rasend schnell, sodass sich die Virusmenge in den oberen Atemwegen schon nach drei bis fünf Tagen ihrem Gipfel nähert. Wird also am dritten Tag ein Test durchgeführt, kann es bereits sein, dass er anschlägt. Als günstigster Zeitpunkt gilt jedoch die Phase ab Symptombeginn – dies ist in der Regel fünf bis sechs Tage nach stattgefundener Infektion der Fall. Die ersten fünf Tage nach Auftreten der ersten Symptome ist die Viruslast dann am höchsten.

    * Wie wird getestet?

    Ein Corona-Test zum direkten Nachweis der Viren erfolgt anhand eines Abstrichs. Da sich die SARS-CoV-2-Viren in den Schleimhäuten von Nasen- und Rachenraum vermehren, wird ein Abstrichtupfer tief in die Rachenhinterwand und/oder über ein Nasenloch in den Nasenrachenraum vorgeschoben. Viele Menschen empfinden den Zugang über den Mund als angenehmer, hierbei ist die diagnostische Genauigkeit jedoch etwas niedriger als beim Nasen-Rachenabstrich. Bei einem schweren Verlauf wird häufig auch eine Probe aus einem ausgehusteten Sekret entnommen, das aus der Lunge stammt. Für den direkten Erregernachweis werden ein PCR-Test oder Antigen-Test genutzt.

    * PCR-Test − was versteht man darunter?

    Wegen seiner hohen Genauigkeit ist der PCR-Test zum Nachweis einer akuten Infektion der Goldstandard. Hierbei werden Erbgutschnipsel von Viren mittels der Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction, PCR) so stark vervielfältigt, dass selbst dann noch ein Nachweis möglich ist, wenn nur geringe Erregermengen in der Probe vorhanden sind. 

    * Wie lange dauert es, bis das Ergebnis eines PCR-Tests vorliegt?

    Bis das Ergebnis vorliegt, sind mehrere Schritte nötig: der Transport ins Labor, die eigentliche Testung, die vier bis fünf Stunden dauert, und die Auswertung. Der gesamte Prozess, einschließlich der Übermittlung des Ergebnisses an den Getesteten, dauert idealerweise nicht länger als 24 bis maximal 48 Stunden. Die Wirklichkeit sieht momentan anders aus: Es werden jeden Tag so viele Tests durchgeführt, dass diese beim Eintreffen in die Labore nicht mehr sofort bearbeitet werden können. Die Folge: Bis man erfährt, ob man positiv oder negativ getestet wurde, vergehen häufig mehrere Tage. Ein unguter Zustand, der nicht nur das Risiko erhöht, dass Infizierte zu lange ohne Befund bleiben, sondern der auch für Unmut sorgt: bei den Getesteten ebenso wie bei den Fachkräften in den überlasteten Labors. 

    * Was lässt sich gegen den Teststau tun?

    Damit Arztpraxen und Labore entlastet werden, hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Anlässe für die Tests eingeschränkt. Empfohlen wird, nur noch bei schweren Atemwegssymp-tomen zu testen, also vor allem bei Atemnot und anderen Hinweisen auf eine akute Bronchitis oder Lungenentzündung, aber auch bei Fieber und einem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Weitere Gründe für einen Test sind neu aufgetretene Symptome nach einem direkten Kontakt mit einem bestätigten COVID-19-Fall (Kontaktperson 1) oder wenn sich die Symptome verschlimmern. Gleichwohl steht es dem Arzt frei, von der neuen Regelung abzuweichen und auch schon bei leichten Symptomen wie Halsschmerzen einen Test durchzuführen, etwa, wenn der Betroffene zu einer Risikogruppe zählt oder wenn er Kontakt zu Risikogruppen hat. Ebenso können sich Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung, Arztpraxis oder einem Krankenhaus arbeiten, jederzeit testen lassen.  Auch von Antigen-Schnelltests erwarten sich die Experten eine Entspannung der Lage: Sie liefern das Ergebnis direkt vor Ort, nehmen weniger Ressourcen in Anspruch und sind zudem kostengünstiger als PCR-Tests. 

    * Wann machen Antigen-Schnelltests Sinn?

    Schnelltests sind in Deutschland seit Oktober fester Bestandteil der nationalen Corona-Teststrategie. Sie liefern allerdings nur eine Momentaufnahme, denn ein negatives Testergebnis schließt nicht aus, dass man am nächsten Tag positiv getestet werden könnte. Dennoch halten Experten Schnelltests für einen wichtigen Baustein in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Mithilfe dieser Tests kann nämlich bereits innerhalb von 15 bis 30 Minuten festgestellt werden, ob eine Person mit SARS-CoV-2 infiziert ist, auch wenn sie noch keine Symptome verspürt. Dieses Wissen ist vor allem für Einrichtungen wichtig, die wie Pflegeheime und Kliniken in höchstem Maße darauf angewiesen sind, dass kein Super-Spreading-Ereignis ausgelöst wird; aber auch Kindergärten oder Schulen können profitieren.  

    * Wie funktioniert ein Antigen-Test?

    PCR- und Antikörper-Tests weisen das Erbmaterial des Virus nach, Antigen-Tests durchsuchen die Probe nach Eiweißfragmenten, die sich auf der Oberfläche von SARS-CoV-2 befinden. Dazu wird der Abstrich auf eine Testkassette gegeben, der mit einer Testflüssigkeit beträufelt wird. Binnen 15 bis 30 Minuten kann das Ergebnis an einem farbigen Streifen, ähnlich wie beim Schwangerschaftstest, abgelesen werden. Wie hoch die Viruslast bei einem positiven Befund ist oder seit wann die Infektion besteht, lässt sich mit einem Antigen-Test nicht ermitteln. Welche Antigen-Tests zum Einsatz kommen dürfen, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unter www.bfarm.de/antigentests gelistet.

    * Wie sicher ist ein Antigen-Schnelltest?

    Damit ein Antigen-Test ein positives Ergebnis anzeigt, ist im Vergleich zum PCR-Test eine größere Virusmenge notwendig. Dieser Umstand ist einer der Gründe, weshalb ein negatives Antigen-Testergebnis eine Infektion nicht immer sicher ausschließt: Ist die Viruslast niedrig, etwa, weil zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion oder aber ab der zweiten Woche nach Symptombeginn getestet wird, kann es sein, dass »falsch negativ« dabei herauskommt. Auch kommt es häufiger als bei einer PCR-Testung vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, obwohl die Person gar nicht infiziert ist. Deshalb gibt das RKI vor, dass ein positives Ergebnis im Antigen-Test grundsätzlich durch einen PCR-Test bestätigt werden muss.

    * Gibt es Corona-Schnelltests für zu Hause?

    Natürlich wäre es prima, wenn man sich z. B. vor dem Besuch bei den Großeltern rasch selbst auf eine SARS-CoV-2-Infektion testen könnte. Doch anders als in den USA, wo die Arzneimittelbehörde FDA gerade einen Corona-Schnelltest für den Heimgebrauch zugelassen hat, verbietet das Infektionsschutzgesetz hierzulande derzeit (Stand: 1.12.2020) freiverkäufliche Antigen-Schnelltests als Selbsttests für Nicht-Mediziner. Das heißt: Apotheken dürfen die Tests nicht an Privatpersonen verkaufen – und der für einen Antigen-Test notwendige Abstrich im Rachen oder tief in der Nasenhöhle darf nur durch ausgebildetes medizinisches Personal vorgenommen werden. Der wichtigste Grund: Der Aussagekraft des Tests hängt wesentlich davon ab, ob er fachgerecht durchgeführt wurde – und medizinische Laien, so die einhellige Meinung der Fachleute, sind kaum in der Lage, einen Rachenabstrich durch die Nase korrekt durchzuführen. Weltweit arbeiten die Forscher jedoch an der Entwicklung von einfach zu handhabenden Schnelltests, bei denen z. B. über einen Tropfen Blut oder Speichel eine SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen werden kann. Bis ein solcher Schnelltest als Heimtest zum Einsatz kommt, wird jedoch noch einige Zeit vergehen.Übrigens: Die Corona-Testkits, die man im Internet als »Schnelltest für zu Hause« bestellen kann, sind Antikörper-Tests.

    * Wann macht ein Antikörper-Test Sinn?

    Anders als der PCR- oder der Antigen-Test erfassen Antikörper-Tests nicht das Virus selbst. Sie zeigen jedoch zuverlässig an, ob das Immunsystem auf den Erreger reagiert hat. Ist dies der Fall, hat das körpereigene Abwehrsystem im Rahmen der Immunantwort nämlich spezifische Immunglobuline – Antikörper – gebildet. Und diese Antikörper lassen sich etwa zwei Wochen nach Symptombeginn (in Einzelfällen auch später) im Blut nachweisen. Da mit dem Antikörpertest also nur ein indirekter, zeitlich verzögerter Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion möglich ist, eignet er sich nicht zur Akutdiagnostik und bietet damit auch keine Alternative zum PCR-Test. Gleichwohl lassen sich immer mehr Menschen bei ihrem Arzt auf Antikörper testen, um festzustellen, ob sie in der Vergangenheit unbemerkt an COVID-19 erkrankt waren. Und auch das Robert Koch-Institut oder die Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des LMU Klinikums München gehen im Rahmen von Studien mithilfe von Antikörper-Tests der Frage nach, wie viele Personen in Deutschland bereits unbemerkt eine Corona-Infektion hatten.Noch ist unklar, wie lange nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion messbare Antikörpertiter vorliegen. Ebenso lässt sich die häufig gestellte Frage, ob der Nachweis von Antikörpern automatisch einen Schutz vor einer (erneuten) Infektion bedeutet, derzeit nicht sicher beantworten. Die Mehrzahl der Experten geht jedoch davon aus, dass man im Fall eines positiven Antikörper-Tests zumindest für eine Weile immun gegen das Coronavirus ist. Es gibt Antikörper-Tests in Form von Labor- oder Schnelltests. Von den Antikörper-Schnelltests rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Kriterium für eine Diagnosestellung jedoch ab. Für die Studien werden Labortests (z. B. mittels ELISA-Methode) herangezogen.

    * Ich bin positiv getestet worden, habe aber keine Symptome. Muss ich trotzdem in die häusliche Isolation?

    Auf jeden Fall. Denn auch wenn man keinerlei Beschwerden verspürt, kann man andere anstecken. Und diese Personen können dann durchaus schwer an COVID-19 erkranken. Derzeit gilt: Mit einem positiven Testergebnis muss die betroffene Person sich für mindestens zehn Tage in häusliche Isolation begeben. Wichtig ist auch, sämtliche Kontaktpersonen der letzten 14 Tage zu informieren, denn auch sie müssen sich umgehend in Quarantäne begeben. 

    * Ich habe leichte Atemwegssymptome, wurde jedoch nicht getestet. Wie verhalte ich mich?

    Auch wenn die Symptome erst einmal mild sind: Bemerken Sie Anzeichen eines Atemwegsinfekts, sollten Sie sich umgehend nach Hause begeben und sich dort mindestens fünf Tage lang in Isolation begeben. In einem Telefonat mit dem Hausarzt lässt sich klären, ob auf das Coronavirus getestet werden sollte oder nicht. Bleibt es bei einem milden Verlauf, darf die Isolation erst dann beendet werden, wenn man 48 Stunden lang ohne Symptome war. Verschlechtert sich das Krankheitsbild jedoch, sollten Sie sich telefonisch an den Hausarzt wenden. Alternativ können Sie auch die bundesweite Rufnummer des Kassenärztlichen Notdienstes 116117 anrufen. In Notfällen, z. B. bei ausgeprägter Kurzatmigkeit bzw. Atemnot oder auch bei hohem Fieber, sollte der Notruf 112 gewählt werden.

    * Wann ist man Kontaktperson 1?

    Nach den Kriterien des Robert Koch-Instituts wird man zur Kontaktperson 1, wenn man mit einer infizierten Person mindestens 15 Minuten "face-to-face"-Kontakt hatte (bei weniger als 1,50 Metern Abstand) oder man sich mit einer positiv getesteten Person länger in einem schlecht gelüfteten Raum aufgehalten hat. Wer als Kontaktperson der Kategorie I identifiziert wird, muss sich umgehend in Quarantäne begeben und das Gesundheitsamt informieren.

    * Wie lange dauert die Quarantäne?

    Neuerdings dauert die Quarantäne für Infektionsverdächtige statt 14 nur noch zehn Tage – vorausgesetzt, es wird am Ende dieser Zeit ein Schnelltest durchgeführt, der negativ ausfällt. In der Schule gilt: Wird ein Schüler positiv getestet, muss seine Gruppe oder Klasse fünf Tage in Quarantäne. Eltern und Geschwister der Mitschüler jedoch nicht – solange sie symptomfrei sind. Auch Lehrkräfte mit Kontakt zu infizierten Schülern müssen fünf Tage in Quarantäne. Danach entscheidet ein Schnelltest, ob sie wieder unterrichten dürfen. Positiv getestete Schüler sollen alle drei Tage Tests absolvieren, bis sie negativ sind.

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