Endlich wieder
schmerzfrei und mobil
Hüftendprothese
Seit mehr als drei Jahrzehnten ist die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Barmherzige Brüder Krankenhauses München bekannt für eine qualitativ hochwertige Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Hüft- und Knie-Endoprothesen; seit vielen Jahren ist sie zudem als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung, kurz EPZmax, zertifiziert. Dass die Klinik zu den größten und erfahrensten Kliniken Deutschlands gehört, spiegelt sich auch in der Zahl 3 333 wider: So viele künstliche Hüft- und Kniegelenke hat das Team um Chefarzt Prof. Johannes Beckmann allein 2025 erfolgreich implantiert – und damit die Lebensqualität von vielen schmerzgeplagten Menschen deutlich verbessert. Im Gespräch mit TOPFIT erklärt Prof. Beckmann unter anderem, auf welche Qualitätsmerkmale man bei der Wahl der geeigneten Klinik für die Implantation eines Hüftgelenkersatzes achten sollte – und warum bei Senioren zementierte Hüftschäfte meist besser geeignet sind.
Von Dr. Nicole Schaenzler
Herr Prof. Beckmann, was sind die häufigsten Gründe für einen operativen Hüftgelenkersatz
Prof. Beckmann: Der häufigste Grund ist ein hoher Leidensdruck infolge anhaltender Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Ursache ist in vielen Fällen eine fortgeschrittene Arthrose. In diesem Stadium greift eine konservative Behandlung meist zu kurz, um die Beschwerden zufriedenstellend zu lindern. Dann kann eine Hüftendoprothese dem Patienten bei der Wiedererlangung einer besseren Lebensqualität wertvolle Dienste leisten: Zuvor stark beeinträchtigte Menschen erhalten ein hohes Maß an schmerzfreier, natürlicher Beweglichkeit zurück.
Die endoprothetische Versorgung einer kranken Hüfte gilt mittlerweile als Routineeingriff. Aber »Routine« bedeutet nicht »risikofrei« – richtig?
Prof. Beckmann: … das stimmt natürlich. Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks gehört zwar zu den zuverlässigsten Operationen, die hierzulande mehr als 200 000-mal im Jahr durchgeführt wird. Dennoch ist und bleibt der Eingriff ein anspruchsvolles Verfahren, das eine besondere Spezialisierung erfordert, damit er erfolgreich und das Komplikationsrisiko während und nach der OP gering ist und damit das neue Gelenk viele Jahre stabil und funktionstüchtig bleibt. Umso wichtiger ist es, sich an eine Klinik zu wenden, deren Operateure über die fachliche Kompetenz und Erfahrung verfügen, um eine möglichst hohe Patientensicherheit zu gewährleisten. Zumal auch bei jeder Routine-Operation etwas Unvorhergesehenes passieren kann, auf das umgehend adäquat reagiert werden muss. Dazu gehört z. B. auch, dass verschiedene Implantate bereitgehalten werden, damit jeder einzelne Fall und jede Komplikation gut und individuell abgestimmt behandelt werden kann. Diese Voraussetzungen sind erfüllt, wenn die Klinik als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung, kurz EPZmax, zertifiziert ist. Ein weiteres Qualitätsmerkmal eines EPZmax ist, dass jedes Jahr viele Hundert Erst-Ersatz-Operationen und Wechseloperationen durchgeführt werden.
Ein Großteil der Patientinnen und Patienten, die ein künstliches Hüftgelenk erhalten, ist deutlich älter als 60 Jahre. Ist das Alter ein Risikofaktor?
Prof. Beckmann: Ein höheres Lebensalter ist typisch für einen künstlichen Hüftgelenkersatz. Gerade ältere Menschen profitieren davon, wenn ihre Mobilität wieder hergestellt ist und sie sich wieder weitgehend schmerzfrei bewegen können. Muskelschonende Operationstechniken und die Verwendung von individuell angepassten Prothesen, aber auch modernste Nachbehandlungskonzepte haben außerdem dazu geführt, dass die Rehabilitation heute deutlich kürzer ist als noch vor einigen Jahren. Heutzutage können viele unserer Patientinnen und Patienten mit ihrem neuen Hüftgelenk die Klinik schon nach zwei oder drei Nächten wieder verlassen; hierzu tragen auch ein gutes postoperatives Schmerzmanagement und eine konsequente Mobilisierung bereits in den ersten Stunden nach der Operation bei.
Metaanalysen empfehlen bei älteren Patienten die zementierte Fixierung des Hüftschafts – hierzulande wird jedoch in den meisten Fällen der zementfreien Verankerung der Vorzug gegeben. Was ist Ihre Expertenmeinung?
Prof. Beckmann: Tatsächlich gehören wir in Deutschland zu den wenigen Kliniken, die schon seit Jahren den meisten älteren Patienten zu einer mindestens teil-zementierten Verankerung des Hüftimplantats raten. Wir gehen in unserer Klinik sogar noch einen Schritt weiter und berücksichtigen bei der Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Knochenzement weniger das chronologische, sondern vor allem das biologische Alter. Mit dem Ergebnis, dass wir häufig auch schon Patientinnen und Patienten zu einer zementierten Hüftendoprothese raten, die jünger als 75 Jahre alt sind. Und diverse Studien und vor allem Prothesenregister geben uns recht und untermauern diese Vorgehensweise. Die Komplikationsrate ist deutlich geringer.
Was sind die Vorteile einer zementierten Hüftendoprothese?
Prof. Beckmann: Mit fortschreitendem Alter nimmt die Knochensubstanz immer mehr ab – bis hin zu einer manifesten Osteoporose, von der insbesondere Frauen betroffen sind. In diesen Fällen bietet die zementierte Endoprothese eine sehr viel verlässlichere Verankerung als eine zementfreie Endoprothese, die direkt im Knochen fixiert wird und die nach der Operation in den Knochen einwachsen muss. Durch den Knochenzement besteht praktisch sofort nach der Operation eine feste Verbindung zwischen der Endoprothese und dem Knochen und vor allem ist die Knochenbruchgefahr deutlich reduziert. Aber auch in Bezug auf die Langzeitfunktion überzeugt der zementierte Gelenkersatz: Die Gefahr, dass es im Laufe der Jahre nach dem Eingriff zu einer Fraktur kommt, ist und bleibt nach einem künstlichen Gelenkersatz an der Hüfte deutlich geringer als bei der zementfreien Variante. Die Datenanalysen des Endoprothesenregisters Deutschland kommen zu dem gleichen Ergebnis: Die Frakturrate bei Senioren, die eine zementfreie Hüftprothese eingesetzt bekommen haben, liegt auch zehn Jahre nach dem Eingriff noch um ein Vielfaches höher als bei den Patientinnen und Patienten gleichen Alters, die mit einem zementierten Implantat versorgt wurden.
Was raten sie jüngeren Betroffenen?
Prof. Beckmann: Bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit einer guten Knochenqualität und einem unauffälligen Röntgenbild geben wir in der Regel einer Verankerung ohne Zement den Vorzug. Zu den Vorteilen der zementfreien Variante gehört z. B., dass es im Vergleich zur zementierten Endoprothese etwas leichter ist, das eingewachsene Gelenk gegen ein neues Modell auszutauschen, wenn später ein Wechsel der Hüftendoprothese notwendig sein sollte, da kein Zement entfernt werden muss. Aber letztlich sollte die Wahl einer zementfreien oder zementierten Hüft-Totalendoprothese immer individuell getroffen werden. Deshalb ist eine ausführliche Beratung durch den behandelnden Experten unerlässlich, um für sich selbst die beste Entscheidung zu treffen.
